Ulrike Neradt - BLOG 
Ulrike Neradt - Blog

Alle 4 Wochen erscheint im Wiesbadener Kurier meine Kolumne Übberichens.
Hier können Sie die Geschichten alle noch mal nachlesen.
Bei Inanspruchnahme bitte ich um Nachricht.


Übberichens für den 3.8.2019
Von Ulrike Neradt

„Schön Hier Festival!“

„Bitte aamol von Allem…“ So habbe die Macher vom Rheingauer Kulturnetzwerk des neue Rheingauer Festival genennt. Es ist zwar noch e bissje hi, abber den Termin sollt mer sich in seim Kallener schon emol eitraache. Schliesslich gibt’s für alle un jeden ebbes. Seit e paar Jahr schon werd an de Vorbereidung rumgebastelt bis die Großveranstaltung endlich jetzt am 17. un 18. August in Geisenum stattfinne kann. En Haufe Künstler habbe sich zusammegefunne, um an dem Wochenend zu zeiche, was se druff habbe. Dodebei geht’s jo nit nur um Mussik un Malerei, sondern es werd aach Comedy, bildende un darstellende Kunst un nadierlich Rheingauer Mundart gebodde. For die Kinner gibt’s Bobbe-un Kinnertheater. Wer Spaß an Operette odder Oper hot, kimmt aach uff sei Koste. Ich bin aach debei und werd Geschichte in Rheingauer Mundart vorlese.
Erstaunt war ich übber die ville unnerschiedliche Künstler, die all im Rheingau lebe un sich an dem Wochenend im August in Geisenum präsendiern.
Mer muss sich des emol vorstelle, was des im Vorfeld for e Abbeid war, des alles vorzubereite. Do sin schon einiche Koste sammekomme, allaans for die Werbung.
Un die Künstler mache des all for nix. Un de einmalische Eintrittspreis for en ganze Daach wo mer übberall emol lubsche kann kost aach nur 10 €. Kinner bis verzeh sin sowieso frei.
Des geht nadierlich nit alles uff aaner Bühn, sondern uff verzeh verschiedene Plätz in de Stadt.
Zum Beispill am Dom, im Parrhof, in verschiedene Weingüter un unner annern aach in de „Scheune“. Mer sollt sich schon den ganze Daach Zeit nemme, um all des zu sehe un zu heern, was do gebodde werd. Am Samsdaach geht’s von 14-21.30 Uhr. Un Sunndachs von 11 – 18 Uhr. Sicherlich for ville Gäst en einzichartiges Erlebnis. Ich hab mir schon einisches rausgesucht un wern mir die Rennschlappe aaziehe, damit ich alles zu Fuß erreiche kann, was mich interessiert.
Dass es übberall aach ebbes gudes zum Esse un Trinke gibt, muss ich jo an dere Stell nit extra noch betone. Im ganze Rheingau sin buntische Flyer verdeilt, wo mer sich genau erkundische kann, wo mer wann was erlebe kann. Was mer allerdings außer ville Leit nadierlich noch ganz dringend brauche is gud Wetter. Dann kann dem Erfolch von dem Festival nix mehr im Weech steh. Ich freu mich jedenfalls schon arich uff des SCHÖN HIER FESTIVAL.



Kritik von unserem diesjährigen Hoffest.
Harfenklänge zur Wiesbadener Juristenband
ELTVILLE Erstellungsdatum: 25.07.2019 - 10:40
Harfenklänge zur Wiesbadener Juristenband
Hoffest im Weingut Diefenhardt barg viele Überraschungen und Glanzpunkte

Martinsthal. (chk) – „Für eine Nacht voller Seligkeit: Let’s sing and swing“, war der Titel des Hoffest-Programms im Weingut Diefenhardt überschrieben, das Ulrike Neradt an zwei Abenden präsentierte. Das ließ bereits eine gute musikalische Mischung vermuten, aber die Zusammenstellung gestaltete sich noch vielfältiger und intensiver als erwartet. „Das beste Hoffest-Programm, das es bisher gab“, verriet Fritz Neradt – Ehemann der „Programmchefin“ – am zweiten Abend, nachdem er die Premiere am Vorabend bereits erlebt hatte.
Begrüßt wurde das Publikum von Julia Seyffardt, die mit ihrem Vater Peter Seyffardt das Weingut führt. „Das Hoffest gibt es schon länger als mich und ich freue mich, dass diese Tradition fortgeführt wird“, betonte sie. „Ich freue mich auch, dass ich so viele bekannte Gesichter sehe und dass meine Tante, Ulrike Neradt, wieder tolle Künstler eingeladen hat.“
Ulrike Neradt ist nicht nur Organisatorin und Moderatorin des Programms, sondern auch Sängerin und Chansonette, die solo und in verschiedenen Formationen brillierte. Mit dem Engagement der Wiesbadener Juristenband war ihr schon ein Coup gelungen, den sie lange Zeit im Voraus geplant und gebucht hatte, denn die sechs Herren, die seit 48 Jahren Musik zusammen machen, sind sehr begehrt. Von der Juristenband und von ihrem eigenen Pianisten Jürgen Streck begleitet, präsentierte Ulrike Neradt „Ice Cream“ in der eingedeutschten Version mit „Familie Gänseklein“, bei der das Publikum im Rhythmus mitklatschte. Sie präsentierte im Lauf des Abends noch weitere 1920er- und 1930er-Jahre-Stücke, unter anderem auch „Mackie Messer“ aus der Dreigroschenoper von Brecht und Weill. Die flotten Juristen spielten mehrere Instrumentalstücke und Bandleader und Sprecher Dr. Dieter Arlet klärte schmunzelnd das Publikum auf: „ Der Anfang muss stimmen und der Schluss muss stimmen. Alles, was dazwischen liegt, ist Improvisation. Das ist Jazz.“ Saxofonist Dieter Borhauer beeindruckte mehrmals an diesem Abend das Publikum mit seiner Satchmo-Stimme. Mit „Hello, Ulli“ holte er Ulrike Neradt auf die Bühne zurück, die nach ihrer musikalischen Darbietung über „verzwickte Namen“ Menna Mulugeta auf die Bühne bat. Die in Wiesbaden geborene und in Weiler bei Bingen aufgewachsene Sängerin mit äthiopischen Wurzeln hat schon einmal vor sechs Jahren beim Hoffest mitgewirkt und sich seitdem in ihrer Ausdrucksstärke noch weiter gesteigert. Mit „One Moment In Time“ zollte sie Whitney Houston Tribut, wie sie selbst betonte und ließ noch ein schwungvolles „A Night Like This“ folgen.
Schon im ersten Teil des Abends ließ sich das Publikum zu Beifallsstürmen hinreißen, doch besondere Überraschungen und Glanzpunkte folgten nach der Pause. Zunächst präsentierte Ulrike Neradt Dr. Gernot Blume, Musikwissenschaftler und Harfenist aus Bingen, den sie vor wenigen Wochen in einem Konzert mit Menna Mulugeta kennengelernt hat und noch für die beiden Abende engagieren konnte.
„Ich möchte mir einen Wunsch erfüllen und mein Lieblings-Chanson zu einer Harfe singen“, sagte sie und stimmte „Hymne à l’amour“ von Edith Piaf an, das neben der Harfe auch von Jürgen Streck am Klavier begleitet wurde.
Menna Mulugeta und Gernot Blume treten seit vielen Jahren gemeinsam auf, spielen Soul, Jazz, Pop und Weltmusik. 2016 haben sie eine gemeinsame CD herausgegeben mit dem Titel „Hallelujah Harfe“. „Gernot spielt 30 Instrumente“, stellte sie ihren musikalischen Begleiter vor, mit dem sie anschließend drei Stücke präsentierte: „The Rose“ von Bette Midler mit deutschen Text, „Summertime“ und „You’ve Got A Friend“. Das Publikum tobte danach und wollte weitere Zugaben, doch es wartete schon die nächste Überraschung. Ulrike Neradt berichtete von einer Anfrage drei Tage vor dem Hoffest. Toni Lorenzo, ein amerikanischer Sänger, der in Wiesbaden lebt, wollte Dieter Arlet überraschen und einen Song für ihn auf der Straße vor dem Weingut singen. Doch sie engagierte den schwarzen Sänger mit der tiefschwarzen Bassstimme für die Bühne, ohne dass Dieter Arlet und die Juristenband etwas davon erfuhren. Die Überraschung glückte – Dieter Arlet sprang am ersten Abend auf die Bühne, als Toni Lorenzo „My Island In The Sun“ anstimmte. Bei „Ol‘ Man River“ allerdings kam seine Bassstimme besonders eindrucksvoll zur Geltung. Der Zwei-Meter-Mann kam während seiner Militärzeit 1992 nach Deutschland, war zehn Jahre lang mit der Gospelgruppe The Jackson Singers unterwegs und war einige Zeit Sänger beim Golden Gate Quartett.
Sehr feierlich kam das „Hallelujah“ von Menna Mulugeta und Gernot Blume rüber, und auch Ulrike Neradt wollte noch eines ihrer traurigen Lieblingslieder zur himmlischen Harfenbegleitung singen. „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“, von Werner Richard Heymann, der 1933 Deutschland wegen seiner jüdischen Herkunft verlassen musste. Außerdem vermischten sich im zweiten Teil die Musikgenres, und die Emotionen kochten hoch, als alle zusammen „What A Wonderful World“ oder „When The Saints Go Marching In“ und „Amazing Grace“ sangen – und da ging die Musik der Wiesbadener Juristenband mit der Harfe wunderbar zusammen. Das Publikum kam aus seinen Beifallsstürmen kaum noch heraus. „Was Sie heute erlebt haben, war eine Jam Session unter Profis“, sagte Ulrike Neradt.
Menna Mulugeta und Gernot Blume waren nie vorher mit der Juristenband aufgetreten. „Am Freitag vor dem Konzert haben wir kurz die Reihenfolge abgesprochen“, sagte Ulrike Neradt und Überraschungsgast Toni Lorenzo wurde noch im letzten Moment spontan eingebaut. Als sie alle Musiker namentlich vorgestellt hatte, ergriff Menna Mulugeta das Wort und stellte Ulrike Neradt als „unsere wunderbare Chefin“ vor, die alles ganz großartig organisiert habe. Zum Abschluss kam auch Peter Seyffardt auf die Bühne um mit allen Mitwirkenden und dem Publikum „Guten Abend, gute Nacht“, zu singen, das Rosemarie Seyffardt mehr als zwei Jahrzehnte lang zum Abschluss des Hoffestes auf der Bühne gesungen hat. Dieses Andenken an ihre Mutter wollen Ulrike Neradt und Peter Seyffardt weiterhin bewahren.
Bericht von Christa Kaddar vom Rheingau Echo




Übberichens für den 29.6.2019
Ulrike Neradt

Die „Paula“


Die „Orschele“ feiern 125 Jährisches. Ich war dort aach Schülerin. Die Orschele, des war unsern Spitzname für des domolische Meedchegymnasium St. Ursula. Es wurd sogar von de strenge Urseline abgeseechent, dass mer ab fuffzeh in die Danzschul gehe dorft, um nit nur danze zu lerne, sondern aach, wie mer sich richtig benimmt. Do war mer bei de „Paula“ in Gaasenum an de richtich Adress.
Die Meedcher hockte zunächst wie Hinkel uff de Stang uff der aane Seit, un die gleichaltrische Bubcher uns geecheübber. Manchmol war aan Bub zu wenisch. Das hatte mir Meedcher schnell abgezählt. Also aa mußt dann immer hocke bleibe. Mer war gespannt un uffgereecht, wen es trifft. Wann die Bube aach alles annere als attraktiv warn, hocke bleibe un Mauerblümmelche spille, das wollt kaans von uns.
Nach der erste Ufforderung von de Paula sin die Kerlcher uff unser Seit gesterzt, habbe sich debei oft umgerennt, weil es jo aach Meedcher gab, die scheener als wie die annern warn. Nur wer schnell genuuch war, konnt sich ‚sei Favoritin’ ergattern. Die annern Lahm-Ärsch habbe sich wegdricke losse un musste die nemme, die noch übbrich warn. Die, die ganz hocke geblibbe sin, die musste dann mit de „Paula“ danze. Sicherlich is se von de Nonne geimpft worn, dass se genau uffbasst, was sich zwische de Bube un de Meedcher do abspillt. Außerm Danze.
Die Sorje hätte sich die Ordensschwestern sparn kenne. Kaaner von dene klaane Berschjer hatt ebbes an sich, was uns Meedcher gefalle hätt. Der aa hatt Mundgeruch, der anner war noch voller Pickel odder hatt fettische Pomade im Haar. Widder aaner hatt noch nie ebbes von eme Deo geheert. Uffreechend un gleichzeitig schlimm war dann de Abschlussball. Mer hot nie den Partner krieht, den mer eichentlich wolllt!
Mir Juuchendliche wärn jo domols schon lieber in en Disco gange un hätte Slop, Blues un Twist gedanzt, darum war ich aach froh, als die Danzstundezeit rum war. Ich kenn so ville, die bei de ‚Paula’ im Rheingau das Danze gelernt hot. Die Zeit bei ihr hot zum erwachsewern aafach dezu geheert. Un darum behall ich se aach in guter Erinnerung.
Abber: Richtig schmuse beim Danze konnte mer eichentlich nur bei unserer Beatband de „Schogging-Gags“! Sunndaachs middaachs beim Frankebach in Eltville. Backe an Backe mit de Songs von de einmalische Beatles…..!!!



Übberichens
Achtung! Die Roller komme!!

Ulrike Neradt für den 1. Juni 2019

Ab Mitte Juni derfe die neumodische Elektro-Tretroller offiziell zugelosse un gefahrn wern. Die Händler reibe sich schon die Händ un freue sich uff neu Kundschaft. Mindestens verzeh Jahr alt muss mer sei, um ohne Helm un ohne en spezielle Führerschein dorch die Geechend zu flitze. Komisch siehts aus, wann nit Kinner, sondern feine Herrn in ihre dunkle Aazüch mit flatternde Krawatte uff dene derre Rollercher dorch die Stadt „schwebe“. Annerst kann mer des nit beschreibe, dann die Dinger mache jo kaum Geräusche. Elegant un schnell schlängele sich die erwachsene Bube dorch die Fußgängerzon un uff de Stroosse. Ab sofort derf mer abber nur noch uff de Gass un uff Radweeche fahrn. Gottseidank. Abber grad uff de Strooß werd’s nit nur for die Rollerfahrer, aach for die Autofahrer gefährlicher. Wie schnell übbersieht mer so en Flitzer. Helmpflicht gibt’s jo nit, steht in de Verordnung. Ich bin allerdings gespannt, wie schnell sich des ännert, wann so en Rennroller mit em Radfahrer odder em Kinnerscheesje uffem Radweech zusammeknallt. En Unfall uff de Strooß will ich mir gar nit erst vorstelle. Bei erlaubte 20 kmh kanns do ganz schee utsche. Im Zug un in de Busse derf mer die Dinger aach mitnemme. Des werd für die Bundesbahn die nächst Herausforderung. Wann ich mir vorstell, dass in de Bahn von Wissbade in de Rheingau, die am Wochenend bei dene ganze Veranstaltunge sowieso immer übberfüllt is, dann zu de Räder aach noch die Roller dezukomme, des gibt nit nur noch mehr Gedrängel, sondern sicherlich aach hitzische Diskussione, ob die Menschheit so ebbes braucht odder nit. In so manche Straußwertschafte werd des Thema dann noch emol uff de Disch komme. Trotz allem find ich die Erfindung gut. Als Alternative zum Elektrofahrrad sogar besser, weil so en Rollersche vill leichter is, wenischer kost un aafacher zu transpordiern is. Grad jetzt wo de Klimaschutz so en wichtisch Thema geworn is, läßt sicherlich so mancher Bürohengst sei Auto dehaam steh, schwingt sich uff sei elektrisch Zweirädche un fühlt sich widder wie en klaane Bub wann er dorch die Geechend flitzt. Nur Kinner, die wenisch Ahnung vom Straaßeverkehr un noch kaan Führerschein habbe, sollt mer unbedingt uff em geeichnete Übungsplatz eiweise. Vielleicht probier ich des dann do aach emol aus. Un wenn, dann abber nur mit Helm!



Übberichens

Zum 4.Mai 2019 von Ulrike Neradt

Dass unsern Rheingau en Paradiesje is, des wußt schon de alte Dichter Kleist. Die drin wohne derfe, merke des vielleicht gar nit so wie ville Besucher, die begeistert bei alle Wetter in de Schlemmerwoche unser Heimat bevölkern. Heut kimmt mer mit seim Audo odder mit em Fahrrad. Frieher is mer mit de Kutsche gefahrn. Des hot e bissje länger gedauert. Manchmal is mer aach nur versehentlich hier gelandt. So gings zum Beispill dem Herzoch von Nassau von anno dazumal.
Es gibt ville Gedichte und Verzeehlercher von dem originelle Mussiöh, der wo im Volksmund zwar aafach „Ferscht“ genennt worn is, der aber bei seim Volk nit sehr beliebt war. Un dieser Herzoch von Nassau soll mit seine Unnergebene domols Mundart gebabbelt habbe. Allerdings gabs doch alsemol Missverständnisse, un des werd in eme Gedicht „Die Scheesefahrt“ von unserer Heimatdichterin Hedwig Witte ganz deutlich:
Es werd so in de erste Maiwoch gewese sei: Do werd de Kutscher Jean-Baptiste aafach zum „Schambes“ gemacht, der Obends vom Herzoch de Ufftraach krieht, ihn un sei Fraa nach de Reeüniong (Reuinon-Tanzball) vom Kurhaus ins Biebricher Schloss haam zu fahrn. Do hatte die Herrschafte nämlich im Sommer residiert. Die Equipaasch (Kutsche- Equipage) stand parat, des Pärche is übber des Schawellche (des Fußbänkche zum Insteiche) in die Schees (Chaise-Kutsche) eningekrabbelt un dort hatt er dem scheene blutjunge russische Prinzessje, des wo sei Fraa war, vielleicht noch die Fladduse (Flatter-Schmeicheleien) gemacht. Die Herzochin abber hot en geschennt, er sollt mit seine Aagestellte nit immer in Mundart babbele. Do saat de Herzoch ganz vornehm zu seim Kutscher:
„Nun Jean- Baptiste, dann fahr er uns bitte nach Hause.“
Des hot de Schambes abber falsch verstanne. Un die Fahrt zog sich in die Läng. Unnerdesse sin die Adelsherrschafte hinne in de Kutsch ingenockelt un erst widder wach worn, wie de Schambes die Scheesedier von ausse uffgerobbt un gerufe hot: „So, Herr Herzoch, mir sein in Hause!“ Un des leit jo bekanntlich nit am Biebricher Rheiufer, sondern hinner Kidderich. Do hot der Herzooch ganz nassauisch gepoltert: „Nit nach Hause, Du Dormel, haam sollste uns fahrn.“ Tja, die Mundart hatt domols aach so ihr Tücke gehabt….! Un ich kann nur hoffe, dass heutzudaach aach alle Rheingaubesucher immer gut widder haam komme….!

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Übberichens
Zum 6.4.2019
Ulrike Neradt

Solang musst se warte

Vor 8 Jahren hab ich bei ebay en 70 Zentimeter groß Porzellanbopp ersteichert. Sie war aagezooche wie en Schulmeedche mit eme helle Strickwestje, rotkariertem Röckelche, dicke Kniestrimp un em weiße Blüsje. Die lange rote Haar uff ihrm scheene Köppche sin ihr fast bis an de Bobbes gange. In dere Zeit kam des erste Meedche von meim Neffe uff die Welt. Un for die hatt ich die Bobb als Geschenk parat. Erst als se zwaa Jahr alt war, hab ich se ihr gezeicht, abber sie hot se keines Blickes gewürdicht, was mich als Großtante nadierlich sehr entäuscht hot. Sie war aafach noch zu jung. Jetzt is die klaa Grott schon acht, geht in die Schul un hot mittlerweile en fünfjährich Schwesterche. Die Zwaa warn deletzt mit ihrm Babba bei uns zu Besuch. Do fiel mir die Bobb widder ei, die schon so lang uff em Speicher in eme Koffer uff ihrn große Ufftritt warte musst. Kaum vom Speicher runner, kame die klaane Gewiddereesjer mir schon entgeesche gelaafe un habbe ganz uffgereecht dorchenanner gerufe: „Was ist denn das für eine schöne Puppe? Wo kommt die denn her? Oh, das ist die ja schönste Puppe, die ich bis jetzt gesehen habe!“ (Die Kinnercher redde kaa Platt, könne mich abber verstehe). Jetzt war ich in de Zwickmühl: Aa Bobb un vier Ärmcher, die se habbe wollte. „Darf ich die mal halten?“ Schon gings los, wem sollt ich die Bobb jetzt zuerst gebbe? Ich war übberglücklich uff der aane Seit, endlich die Bobb zum richtische Zeitpunkt verschenke zu könne, annerseits wer sollts se jetzt behalle? Jedenfalls habbe sich die Schwestern alle zeh Minute mit em Spille abgewechselt. Abber so wollt ich das nit stehe losse. Noch am selbe Daach hab ich bei ebay nach ähnliche Bobbe gesucht … un gefunne! Genau an dem Daach hot jemand sei komplett Bobbesammlung uffgelöst, die so günstig warn, dass ich se all ersteichert hab. Beim nächste Besuch gabs en groß Hallo als ich widder zwaa Böbbcher aus der Sammlung verschenke konnt. Die Annern deile sich de Platz im Koffer uffem Speicher bis zur nächste Geleeschenheit. Mei zwaa Meedcher sin jedenfalls glücklich übber den Bobbezuwachs. Wer waass wie lang die Zeit noch aahält, wo die Zwaa ohne Handys un Internet harmlos mit Bobbe spille könne? Die restlich Sammlung werd ich schon noch los, schliesslich is die Familie mit weiblichem Nachwuchs reich geseechent.


Gedanke zum Weltfrauedaach
Kolumne zum 8.3.2019
Von Ulrike Neradt

Am 8. März war widder de internationale Weltfrauedaach. Diss Jahr hot er schon for en größer Uffsehe gesorcht als wie sonst. Berlin hot sogar en Feierdaach draus gemacht. Bravo sach. Ich Weiter so. Un Ich hoff doch, dass mir Fraue uns dribber bewußt sin, welche Roll mir heutzudaach in de Gesellschaft einemme. Im Geechesatz zum Mudderdaach besteht nämlich an dem Daach nit die Gefahr, dass Fraue nur uff ihr Mutterroll reduziert wern. Im Geechedeil: Es geht drum, Fraue als Einzelwese mit eichene Intresse un gleiche Rechte zu sehe, un uff – leider - immer noch bestehende Diskriminierunge uffmerksam zu mache. Vor allem sollt mer debei noch emol an die Fraue denke, die früher für die Gleichberechtischung hart gekämpft habbe un es weltweit immer noch dun un aach dun müsse. Der internationale Frauedaach hot e lang Tradition un geht uff die Arbeiterinnebeweechung von Mitte dem 19. bis zum Aafang vom 20. Jahrhunnert zerick. In Amerika un England hots aagefange, wo z.B.Textilarbeiterinne zum erste Mol gestreikt habbe. Hier bei uns in Deutschland war es Clara Zetkin, die als Initiatorin den internationale Frauedaach eigeführt hot. Der Daach war als Kampfdaach für des Frauewahlrecht entstanne. Gefeiert wird er seit 1921 un jährlich am 8. März immer draa erinnert. Domols habbe die Fraue um ihr Rechte, vor allem ums Wahlrecht mit alle Mittel hart gekämpft, sin sogar defor oft ins Gefängnis komme un habbe doch einisches erreicht. So durfte die Fraue 1919 bei uns endlich zum erste Mol zur Wahl gehe. Des is jetzt grad emol hunnert Jahr her!! In de Schweiz erst seit 1971! Aach des Recht uff Bildung von Fraue war frieher kaa Selbstverständlichkeit! Ich denk aach noch an die Zeit in de 70er, wo aam de Mann erlaube musst, schaffe zu gehe! Gottseidank is do doch einisches annerst un besser worn. Die junge Papa`s nemme oft heutzudaach ihr Elternzeit in Aaspruch un helfe dehaam aach im Haushalt mit. Freiwillich!! Do hätt ich en Idee fors Wochenend: Übberasche Sie Ihrn Mann doch emol mit eme scheene Obend in ere Straußwirtschaft. Odder en Kinobesuch. Nemme Se den Frauedaach als Anlass. Dann was gibt’s Scheeneres, wenn en Mann un en Fraa im Gleichklang dorchs Lebe gehe? Do fällt mir en Satz von dem Meenzer Kabarettist Hanns Dieter Hüsch ei, der mol gesaat hot: „Denkt man an den Sinn einesTanzes: Dreht sich ein Mann um seine Frau wird aus was Halbes was Ganzes!“


Für 9.2.2019

Normaler Haushaltswahnsinn

Unsern Übbernachtungsbesuch hatt noch en weite Haamweech vor sich un is deshalb gleich nooch em Friehstick uff un devon. Bevor de Disch abgeräumt, des Gemies fors Middachesse geschnippelt un des Hinkel in de Ofe geschobe werd, könnt ich schnell noch die Better abziehe un die Wäsch in die Maschin stoppe, damit kaa Zeit verlorn geht.
Im Gästezimmer musst ich dann feststelle, dass des Fenster schon lang nit mehr gebutzt worn is. Bevor de nächste Gast kimmt un mer des widder vergisst, schnell en Aamer mit warm Wasser fertischgemacht un ran an die Scheibe. Uffem Weech in die Kich hots geschellt. Es war de Briefträcher, der mit em Paket in de Hand vor de Dier gestanne hot.
Hordich hab ich noch en nit leserlich Unnerschrift uff dem Unnerschreibabberat gekrotzelt un dann erst emol neugierisch des Paket uffgeroppt. Es war die Hos, die wo ich letzt Woch im Internet bestellt hatt. De Fensterbutzaamer war vergesse. Gleich ins Wohnzimmer un aaprobiert. Passt, die Hos werd genomme. Beim umständliche Zusammefalte vom Kaddong schellts Dellefon. Mei Freundin aus Stuttgart rieft aa. Lang hot mer nix mehr vonanner geheert un so nutzt mer die Geleeschenheit, um sich auszuquatsche. Die Zeit leeft devon. Kaum de Hörer uffgeleeht, kam mir de Gedanke, was ich mit dem Aamer vor hatt. Des Wasser is nadierlich mittlerweile kalt worn un dann is mir des Fenster widder ingefalle, des im Gästezimmer zu butze gewese wär. Die Better sin als noch nit abgezooche un den Friehsticksdisch habbe die Heinzelmänncher aach nit abgeräumt. Alleweil werds eng mit de Zeit. Um aans sollt doch des Esse uffem Disch stehe. Jetzt abber hordisch in die Kich. Die Fenster bleibe ungebutzt. Die Bettwäsch hab ich in Windeseile abgezooche un dann uff em Weech zu de Wäschmaschin klingelts widder an de Dier. Die Nachbarin freeht, ob ich ihr e paar Eier ausleihe könnt. Höflich wie mer is, lädt mer se uffen Tass Kaffee ei un verquatscht sich.
Mer kimmt zu nix. Kaum is die aus em Haus, steht de Ehemann mit eme Mordshunger in de Dier. „Des sieht jo noch so aus wie heut moin. Hoste dann heut gar nix geschafft?“ Was soll mer dodruff saache? Mer macht en Bichs Gulaschssupp uff und denkt nur: Wie schaffe des annern Fraue eichentlich so mit ihrm Haushalt?


Übberichens
Ulrike Neradt
12. Januar 2019

Liebesbriefe

Was war des doch noch for e schee Zeit, als mer sich noch Briefe uff rischtischem Babier
un mit em Füllfedderhalter geschribbe hot.
So mancher Liebesbrief von domols is sicherlich verschitt gange odder aach aus Zorn verrobbt worn,
wann Der-oder-Die Aagehimmelte Schluss gemacht hot. Abber ich habs se all uffgehobe.
Bis uff mein Erste, den wo mei Mutter im Herd direkt verbrennt hot, weil de Vadder nix devon wisse dorft. Sicher habbe sich die Eldern obends im Bett drübber kaputtgelacht.
„Er“ war vielleicht zwölf, ich 10 Jahr alt, als er mir haamlich in mein Ranze en Zettelche zugesteckt hot,
wo unner annerm zu lese war, dass er mich „verehrn“ deht.
Ich wußt domols noch gar nit was des is.
Mei Mudder war vielleicht domols nur erstaunt dribber, dass mer als klaa Meedsche schon Liebesbriefe krieht. Noja, Liebesbrief kann mer so en Geschreibsel uff so em klaane Zettel jo nit grad nenne.
Zu schad, fort is fort.
Un der Bub von domols is mittlerweile aach schon Opa. Später kame dann schon Briefe mit annerm Inhalt übber die Post. Die sin per Dellefon aagekünnischt worn und die musst ich dann vorher „abfange“. Was habbe sich die Borsch noch Mieh gebbe, um die Meedscher zu umwerbe.
Die Briefeschreiber von domols sin nadierlich schon Jahrzehnte
all gut verheirat un lache sich heit kaputt übber ihr domolische Liebesbekundunge.
So alte Freundschafte bleibe abber oft bis ins hohe Alter bestehe.
Seit ville Jahrn treffe mer uns immer noch. Die Meedcher un die Bube von domols.
E paar habbe sich sogar minanner verheirat.
Vorm letzte Treffe hab ich e paar Briefscher mol erausgesucht un do warn se widder:
Die Erinnerunge an unser Juuchend. Was hatte mirs domols doch so aafach un so gut.
Es gab kaa Handy, kaa Internet, kaan Chatroom. Un doch warn alle gut „vernetzt“.
Uff em Weech in die Schul hot mer sich aach noch emol haamlich korz vorm Schulbeginn in eme Eckelche odder hinner dicke Beem rumgedrickt und geknutscht.
Es war harmlos un doch hots geknistert!!
Heut sieht mer die junge Leit oft nebernanner hocke,
die nur uff ihr Smartphones glotze un sich per SMS odder Whatsapp Nachrichte schicke.
Do fraach ich mich heut alsemol:
Habbe die heut all kaa Ärm mehr, die mer schüchtern um die Schulter von seim Meedsche leje kann?


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Bis bald
Herzlichst Ulrike Neradt

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Mundart Queen - Witzige Enthüllungen in Wiesbaden



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