Ulrike Neradt - BLOG 
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Corona Tagebuch von Ulrike Neradt
Sonntag, 29.3.2020 Sommerzeitbeginn


Tagebuch 12.Tag
Guten Tag Euch allen,
und wie jedes Jahr bin ich mit dem Gedanken aufgewacht: Uhren vor- oder zurück? Wann endet dieser Schwachsinn endlich??
Wir sind sehr früh aufgestanden. Haben ja ein Riesenpensum zu erledigen….!
Wie geht Ihr mit all dem mental um? Ich bekomme von einigen, dass sie genauso empfinden wie ich. Dann ist auch jemand, der schreibt, ich kanns nicht mehr lesen.
Es macht mich nur noch mehr fertig.
Ich habe ihn aus dem Tagebuch rausgenommen. Das habe ich gleich geschrieben: Wenn es zuviel wird, dann bitte melden.Ich kann es gut verstehen.
Man wird auch per Whatsapp derart überflutet, teilweise mit witzig gemeinten Beiträgen
(dazu zähle ich mich z.B. als Frau Karl mit dem neuen Kaffeefilter als Mundschutz)
oder auch mit sehr ernst gemeinten kleinen Videos.
Mit den vielen Coronalieder, die mich von überall her erreichen. Auch davon bin ich nicht gefeit. Sabine Fischmann hat mich gebeten, ihr
Corona-Kinderlied auf hessisch umzusetzen, was ich natürlich gerne getan und auch teilweise gepostet habe.
Was mir ein bisschen zuviel wird ist, dass fast jeder diesen Gefangenenchor der italienischen Opernsängern verschickt. Ich habe Fachleute gefragt,
ob so ein Sound, wie er da rüberkommt, wirklich von den Leuten sein kann, die mit Kopfhörer in ihren Zimmern nach einem Playback mit einem Dirigenten in der Mitte erzeugbar ist.
Nein, natürlich nicht. Aber natürlich ist es schön, solche Aktionen zu sehen, aber das war mir einfach zuviel. Euch geht’s sicherlich genauso.
Themawechsel:
Heute ist ein besonderer Tag: Mein Mann hat mit mir zusammen ein neues Rezept ausprobiert. Ja, es geschehen noch Zeichen und Wunder.
Nachdem er seit Tagen unseren eigenen Bärlauch zu Pesto verarbeitet hat, hab ich im Internet nach entsprechenden Quiche-Rezepten gesucht …. Und gefunden.
(Ich bin ja für diese Art von Essen zuständig!!)
Die Zutaten hatte ich alle zu Hause, jetzt musste ich meinen hauseigenen Koch nur noch überreden, mich mit simplen Küchenarbeiten zu unterstützen.
Es musste erst mal ein Teig hergestellt werden. Ich nehme normalerweise nur Fertigteige, aber hier musste es ein Mürbeteig sein. (Nehme ich mal an: Mehl, Butter Salz Milch?)
Und der kommt knall hart aus meiner Kitchenaid. Jetzt musste er diesen ausrollen und in die Form bringen. Da fingen leider schon die Diskussionen an: „Zu zweit in der Küche, das geht gar nicht!“- „Ich möchte aber gern, dass wir das jetzt gemeinsam kreiieren!“- Danach Funkstille.
Ich puzzelte also weiter an meinen Zutaten, während er dann doch nach langer Suche ein Nudelholz fand. Nicht, was man jetzt vermuten könnte, sondern seinen einfacher Teig auszurollen.
Ich frage: „willst Du mir bei den anderen Zutaten auch helfen?“- „Nein, was da rauskommt hast Du allein zu verantworten…“ oder so ähnlich. Und was kam raus?
Eine herrliche Tarte, die wir bis auf 2 Stücke zum Mittagessen gefuttert haben. Meine Freundin wird um 17 Uhr mit ihrem Auto bei uns vorbeikommen.
Ich werde ihr zwei Stücke, mit einem Glas Bärlauchpesto auf die Autohaube legen und ihr mal zuwinken.
Das ist schon so eine besondere Situation: zum ersten Mal seit 2 Wochen sehen wir uns und können uns nur auf Abstand zuwinken.

Ich habe mir das mit dem Lieferdienst von REWE nochmal genau angeschaut. Es ist offenbar nicht gewährleistet, das man die Waren am gleichen Tag bekommt. So werde ich morgen also nochmal mit Mundschutz und Handschuhen das Nötigste selbst einkaufen.
Hier habe ich etwas heute in der FAS gefunden:

In der Fachzeitschrift Lancet ist zu lesen, dass eine universelle Verwendung von Masken durch jedermann bei Kontakt mit anderen Menschen erwägenswert sei,
sofern die Bestände dafür ausreichen.
Karl Lauterbach von der SPD erklärt: „Wenn es tatsächlich so wäre, dass wir für die breite Bevölkerung Masken hätten,
wäre das sicherlich hilfreich. 70-80 % der Infektion spielen sich ab, wenn die infizierten keine oder nur leichte Symptome haben.
Würden machst du da einen Unterschied machen? Ja, natürlich!“
Dort ist heute sogar eine genaue Anleitung zum Herstellen von eigenen Mundschutzmasken drin. Und wenn es nur der Schal ist, den man sich vor den Mund zieht.
In ein paar Wochen werden wir alle damit konfrontiert sein.!

So, das wäre es erst mal für heute.
Weiter unten stehen noch zwei Nachrichten. Die eine betrifft den Selbstmord unseres Hess. Finanzministers und ganz unten in einer langen Ausführung, ein Statement des Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer Schöne Weihnachtszeit und ein guten Rutsch ins neue Jahrzehnt und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, das mir heute auch per Whatsapp von einem Freund und Mitleser zugesandt wurde.
Ich überlasse es Euch, ob Ihr das alles lesen wollt.
Als Unterhaltungsangebot heute mal 3 Beiträge aus unserem derzeitig aktuellen ( und momentan eingefrorenen) Tucholskyprogramm, das wir im Herbst hoffentlich wieder spielen können.
Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag und rufe Euch zu:
1. Das Ideal (wie klug dieser Tucholsky war….)
2. Ballade ( und wie frech und auch frivol er sein konnte.)
3. Für die, die von weiten Reisen träumen: Hawaii (Am Klavier und Duettpartner: mein langjähriger Mentor und Pianist Alfons Nowacki)
Viel Spass


Behaltet Euren Humor und bleibt gesund… Wir haben noch eine lange Durststrecke vor uns, die wir gemeinsam durchstehen müssen, ob wir nun wollen oder nicht.

Herzlichste Grüße Eure Ulli
Ende: 14.30 Uhr Sonntag Mittag


Die erschütternste Nachricht des Tages ist wohl der Selbstmord unseres hessischen Finanzministers Thomas Schäfer gestern spätvormittag.
Warum, das hat unser MP Bouffier in einer Rede anhand seines Abschiedsbriefes gesagt.
„Wir müssen heute davon ausgehen, dass er sich große Sorgen machte, große Sorgen gerade darum, ob es gelingen könne, die riesigen Erwartungen in der Bevölkerung, insbesondere der finanziellen Hilfen, zu erfüllen. Ich muss davon ausgehen, dass ihn diese Sorgen erdrückt haben. Er fand offensichtlich keinen Ausweg mehr. Er war verzweifelt und ging von uns. Das erschüttert uns, das erschüttert mich. Ich denke in dieser Stunde ganz besonders an seine Familie".


Matthias Döpfner:

„Seit Tagen zögere ich, etwas zu schreiben. Weil ich Zweifel habe. Auch Angst, einen Fehler zu machen. Weil ich nicht sicher bin, was richtig ist. Weil ich als Asthmatiker ein sogenannter Risikopatient wäre. Und weil ich Verantwortung habe für 16.500 Mitarbeiter. Und für das, was ich mit einem Text wie diesem auslöse.

Auch ich hänge an den Lippen der Virologen und Epidemiologen. Das Problem ist: Der eine sagt dies, der andere das. Und einig sind sie sich selten. Jeder glaubt an sich. Und gemeinsam sagen sie wenig. Die Regierung folgt. Vor allem den Experten vom Robert-Koch-Institut und von der Charité. Diese fast unbeschränkte Macht ist mir zu alternativlos. Denn es sind Experten ohne das Mandat des Wählers. Aber sie entscheiden indirekt, was die Regierung anordnet. Als der Chef des Robert-Koch-Instituts sagte, die massiven Einschränkungen im Alltag könnten zwei Jahre dauern, habe ich das Vertrauen verloren (auch wenn er seine Aussage später wieder zurückgenommen hat). Jeder Schüler weiß, dass die Weltwirtschaft und unsere Gesellschaft einen solchen Stillstand nicht einmal wenige Monate verkraften können. Wer so etwas denkt und sagt, darf nicht der wichtigste Kompass der Regierung sein.

In den letzten Wochen oszilliert meine Meinung hin und her. Manchmal schlafe ich ein mit der Klarheit meiner Wut. Dann ärgere ich mich über die Angst vor einem Virus, das weltweit bisher weniger Todesopfer gefordert hat als die Grippewelle von 2017/2018 in Deutschland. Damals starben schätzungsweise 25.100 Menschen. Das Coronavirus trifft vor allem ältere und vorerkrankte Menschen. Müssten dementsprechend nicht vor allem Maßnahmen für diese besonders gefährdeten Menschen ergriffen werden? Während die anderen möglichst weiterleben und arbeiten wie bisher? Bei genauer Betrachtung wissen wir erschütternd wenig über das Virus. Laut einer Studie in „Science“ lag die Dunkelziffer der Corona-Fälle in China bei über 80 Prozent. Wie hoch ist sie in Europa, bei so geringer Testdichte? Was sagt dann eine Statistik über Mortalität? Manchmal denke ich an den Satz des Virologen Hendrik Streeck vom Uni-Klinikum Bonn, der sagt: „Wäre uns das Virus nicht aufgefallen, hätte man vielleicht gesagt, wir haben dieses Jahr eine schwere Grippewelle.“

Ich ärgere mich dann über Politiker, die sich in einem Entschlossenheitswettkampf zu überbieten versuchen. Wer hat die härteste Maßnahme? Wer die entschiedenste Sanktion? Wer das schnellste Notstandsgesetz? Hinter vorgehaltener Hand sprechen manche anders. Aber so könne man in der derzeitigen Stimmung öffentlich nicht argumentieren, heißt es. Das alles macht mir Angst, weil es nicht vom Ende her gedacht scheint. Ich sorge mich um unsere freiheitliche, rechtsstaatliche, offene Gesellschaft, die im Namen der guten Absicht beschädigt werden könnte.

Ich bin wütend, dass es ernst zu nehmende Menschen gibt, die China als Vorbild in der Seuchenbekämpfung sehen. Obwohl wir doch wissen, dass China eine Diktatur ist, die Menschen verfolgt, nur weil sie anderer Meinung sind. Die ihr Volk überwacht und mit einem Social-Scoring-System kontrolliert. Dass ein deutscher Landrat nun schon Xi Jingping um Hilfe bittet, kann man nur grotesk finden oder auch symptomatisch. Aber Corona, sagen immer mehr und viel zu viele, haben sie doch irgendwie sehr gut gemanagt. Dass Journalisten, die die Wahrheit recherchieren wollen, des Landes verwiesen werden, wird verdrängt. Dass man der chinesischen Informationspolitik nicht trauen kann, wir eventuell kalt belogen werden, ebenfalls. Ist dieses Modell unsere Zukunft? Soll China zu unserem Vorbild werden, weil es die Corona-Krise so totalitär gemeistert hat? Ich fürchte, wir begehen demokratischen Selbstmord aus Angst vor dem Sterben.

So schlafe ich ein.

Und dann wache ich auf. 294.110 Corona-Fälle weltweit. 22.672 in Deutschland. 4062 mehr als am Vortag. Fast viermal mehr als letzte Woche. 20 Prozent der Patienten, die in ein US-amerikanisches Krankenhaus eingewiesen wurden, sind angeblich zwischen 20 und 44 Jahren. Und dann die Bilder aus Bergamo. Lastwagen mit Leichen. Massengräber. Weinende Ärzte und Krankenschwestern, die Sterbende nicht mehr angemessen versorgen können. Der 70-jährige Arzt, der darauf besteht, nicht mehr behandelt zu werden, weil er selbst zu viele Patienten in seinem Alter zurückweisen musste. So wache ich auf.

Und nach allem Ringen und Zaudern und Zweifeln wird mir klar: Obwohl ich befürchte, dass die Folgen der Virusbekämpfung schlimmer sein könnten als die Folgen des Virus selbst (Rezession, Massenarbeitslosigkeit, Enteignungen, vielleicht Schlimmeres), glaube ich am Ende, dass diese Maßnahmen richtig sind. Je entschlossener, desto besser. Denn eine Strategie braucht Entschiedenheit. Und diesen Weg haben wir nun einmal aus guten Gründen eingeschlagen.

Shutdown. Stillstand. Pause. Mute. Kaum Kontakt. Atem anhalten. Ruhe. Vakuum. Nichts. Für kurze Zeit, wenige Wochen. Das können wir packen.

Entscheidend an dieser Strategie ist, dass man ihr Ende bedenkt und ihr zügiges Ende plant. Es ist eine radikale Vorgehensweise für sehr kurze Zeit. Es geht darum, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, um Zeit zu gewinnen. Um auch die Voraussetzungen für mehr intensivmedizinische Versorgung zu schaffen. Längerfristig ist ein Stillstand gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch nicht zu verkraften. Die Fantasie, dass wir die Pausetaste drücken, bis das Virus verschwunden ist, ist naiv und gefährlich. Es wird der Tag kommen, an dem die Politik ihr Narrativ ändert und erklärt, dass die „Vermeidung von Sozialkontakten“ (was für ein technokratischer Begriff) zu Ende ist. Wir wieder arbeiten und fast wie früher leben sollen. Zurück zur Normalität. Zur zivilisationsentscheidenden Ambition. Das Virus wird dann nicht weg sein. Wir haben nur Zeit gewonnen. Dann müssen wir uns um die kümmern, die besonders gefährdet sind. Sie müssen wir schützen. Hoffentlich bald mit einem Impfstoff und ertüchtigter Intensivmedizin.

Für den Rest der Gesellschaft aber muss gelten: raus aus dem wirtschaftlichen Winterschlaf, zurück in den Alltag. Und das so schnell wie möglich. Wir haben nicht viel Zeit. Denn sonst könnte der Verlust größer sein: unsere Gesellschaftsordnung, unser Lebensstil, unser freiheitlicher Lebenssinn. Wir hätten dann für etwas mehr Sicherheit und Gesundheit die Freiheit getauscht und die offene Gesellschaft zerstört.

Aber das muss nicht sein. Es darf nicht sein. Es wird nicht sein. Im Gegenteil: Wir können gestärkt aus dieser Lage hervorgehen. Es ist die erste echte Krise für mehrere deutsche Nachkriegsgenerationen.

Krisen, das ist nichts Neues, sind oft die Katalysatoren des Fortschritts. Einige der größten Errungenschaften der Zivilisation sind nach Kriegen und Seuchen entstanden. Die Pest war – nach dem Medizinhistoriker Klaus Bergdolt – regelrecht die Voraussetzung für die Renaissance, eine der kulturell beflügelndsten und reichsten Phasen der Menschheitsgeschichte. Der Pest folgte großer Wohlstand und vor allem ein bis dahin nicht gekannter Individualismus. Egon Friedell fasste es so zusammen: „Das Konzeptionsjahr des Menschen der Neuzeit war das Jahr 1348, das Jahr des Schwarzen Todes.“ Auf den Zweiten Weltkrieg folgte das deutsche Wirtschaftswunder. Nach der zweiten Ölkrise von 1978/80 begannen wir, verstärkt in erneuerbare Energien zu investieren.

Krisen zwingen dazu, Dinge anders zu machen, neu zu denken. Sie fördern den Zusammenhalt. Ein gemeinsamer Feind, in diesem Fall glücklicherweise nicht ein anderes Land oder Volk, sondern das Virus, verbindet. Schweißt zusammen. Mobilisiert Energien. Krisen bringen wie unter einem Brennglas Schwächen, aber auch Stärken einzelner Menschen und Systeme hervor. Sie sind ein Charaktertest. Eine große Chance für unsere Persönlichkeit. Jeder kann in der Krise scheitern – durch Resignation. Oder über sich hinauswachsen – durch Mut und Gemeinsinn. Und Krisen können bewusster machen, was bewahrenswert und veränderungsbedürftig ist.

Wir haben oft davon gesprochen, dass man Büros, einen Arbeitsplatz eigentlich gar nicht mehr brauche. Die Arbeit, haben wir gesagt, könne überall stattfinden. Ein Handy, ein Laptop genüge. Nun merken wir, im Homeoffice sitzend, dass es doch nicht so leicht ist. Wir merken, wie unverzichtbar der direkte Dialog ist. Aber wir sehen auch, wie viele Reisen und Meetings man früher machte, die man sich sparen könnte. Gleichzeitig machen wir jeden Tag riesige Fortschritte, arbeiten noch mobiler und flexibler. Die schwierige Lage zwingt uns dazu. Die Corona-Krise als großer Beschleuniger der Digitalisierung kann dazu führen dass wir in Zukunft einfacher, effizienter und besser zusammenarbeiten.

Auch die Rolle der Medien wird in diesen Tagen besonders getestet. Journalisten sind – unter Inkaufnahme besonderer persönlicher Risiken – das, was sie schon lange nicht mehr waren. Unser Fenster zur Welt. Unser Filter der Wahrheit. Sie haben eine enorme Verantwortung. Und ich finde: Alles in allem werden sie dieser Verantwortung in beeindruckender Weise gerecht. Ich bekomme Zuschriften von Menschen, die schreiben, die Medien müssten jetzt für Solidarität und Einheit sorgen. Am Auftrag der Journalisten darf sich aber auch in der Krise nichts ändern. Gerade dann nicht. Sie sollten weiter zweifeln und hinterfragen. Es braucht jetzt nicht nur Solidarität und Gemeinsinn, sondern auch Kritik. Und vor allem Vielfalt der Informationen und Meinungen. Wir brauchen keine zentralstaatliche Propaganda, sondern einen Wettbewerb kritischer Intelligenz. Vielleicht rückt jetzt auch der Wert von unabhängigem Journalismus wieder stärker ins Bewusstsein.

Wenn die Krise überstanden ist, wird vieles nicht mehr so sein wie vorher. Der wirtschaftliche Schaden wird groß sein. Ganze Industrien könnten verschwinden oder sich völlig verändern. Aber es werden auch neue Boombranchen entstehen. Wir werden anders arbeiten. Weniger reisen. Vielleicht rücksichtsvoller gegenüber der Umwelt sein. Respektvoller auch gegenüber Politikern, die verantwortungsvoll, nicht populistisch handeln. Wir werden anders miteinander reden und uns anders begegnen. Vielleicht dankbarer für vieles, was bisher selbstverständlich erschien. Wirtschaftlicher Aufschwung. Rauschende Partys. Bewusster Genuss. Gesellschaft und Geselligkeit – und vor allem Freiheit – werden wieder ein Geschenk sein.

Vielleicht ist eine nebensächliche, zivilisatorische Signatur des Coronavirus, dass wir zur Begrüßung keine Bussi-Rituale mehr haben werden. Ist das ein Verlust oder ein Geschenk?

Vielleicht grüßen sich die Menschen dann so ähnlich wie in Thailand. Die eigenen Hände aneinanderlegen. Leichte Verbeugung. Lächeln.

Das Lächeln wünsche ich mir wirklich. Vor allem in Deutschland. Es gibt kein Volk, das so wenig lacht wie die Deutschen. Vielleicht hinterlässt Corona uns ein Lächeln. Wenn es vorbei ist. Ein Lächeln der Dankbarkeit“




Tagebuch 11. Tag. 28.3.2020

Heute Morgen erfahren wir im Radio, dass die strengen Maßregeln der Isolation bis zum 20. April andauert.
Wie es danach aussieht, entscheidet die Kanzlerin dann erst nach Ostern. Jetzt heißt es Ideen sammeln für weitere Aktionen im Haus.
Ich habe auf alle Fälle schon einmal bei Rewe nachgeguckt wie es mit dem Lieferservice aussieht.
Das scheint mir doch eine sehr sinnvolle Idee zu sein, denn große Lust wieder in einen Supermarkt mit Handschuhen und Mundschutz zu gehen habe ich überhaupt nicht mehr.
„Der Rheingau steht zusammen“ steht heute im Wiesbadener Kurier d.h. man kann Gutscheine kaufen bei verschiedenen Lokalen und Restaurants,
die man dann später, wenn alles vorbei ist, wieder einlösen kann. Sinn der Sache ist, dass man die hiesige Gastromie damit finanziell jetzt unterstützt. Das finde ich eine ganz tolle Idee.
Ich habe gerade an unseren Briefkasten einen kleinen Gruß an unsere Postbotin gehängt mit einer Tafel Schokolade im Zeitungsfach als Dankeschön.
Werde mich überhaupt jetzt auf diese Art bei jedem Paketträger mit einer süßen Kleinigkeit bedanken.
Ich muss sie dann nicht selbst essen und vielleicht freut sich der eine oder andere darüber.

Nachrichten: 9.00 Uhr
Amerika hat innerhalb eines Tages die 100.000 Grenze von Infizierten überschritten. Jetzt hatte Trump General Motors gezwungen, Beatmungsgeräte zu bauen Dies scheint offenbar in Ordnung zu sein, denn es ist wohl ein Gesetz aus den fünfziger Jahren, dass dem Präsidenten das erlaubt.

Auch hier bei uns gehen die Beatmungsgeräte langsam aus. Wie will man das alles bewerkstelligen, wenn wir auch an die?
Wer darf überleben und wer nicht? Solche ethischen Fragen tauchen langsam auf. Die Ärzte, die einen hippokratischen Eid geschworen haben, jedes Menschenleben zu retten, stehen hier hilflos vor ganz schweren Entscheidungen. Ich möchte nicht in deren Haut stecken. Auch nicht in der des Krankenpersonals. Was diese Menschen derzeit leisten müssen, ist einfach unglaublich und beispiellos.
Wenn ich mich selbst wegen Fritz nicht so schützen müsste, würde ich gern einen solchen Aushilfsjob annehmen. So sitzt man hilflos zu Hause und kann sich dieses fürchterliche Geschehen nur im Fernsehen, Radio oder Internet mit ansehen.

Ich habe gerade noch einmal den Tagebucheintrag vom Beginn am
18.3. angeschaut, dort wurde der 1. Tote in Wiesbaden vermeldet.
Am 19.März schrieb ich: Deutschland heute bei 12.400 mit 28 Toten.
Und heute am 28.3: In Deutschland 53.340 und 395 Tote.
Ich hoffe nur inständig, dass ich mich nicht Mitte März beim Einkaufen angesteckt habe, das käme ja erst in den nächsten Tagen zum Vorschein. Vielleicht waren im Rheingau noch nicht viele infiziert. Ich hoffe es inständig, nicht nur für mich, sondern für uns alle!!!
(Im Übrigen: ich setze diese täglichen Notizen in ein gesamtes „Corona-Buch“ zusammen, falls Ihr also Interesse habt, dann könntet Ihr es auch per mail erhalten. Ich weiß von einigen, die sich die Sachen jetzt ausdrucken. Aber das muss nicht sein.)
Es ist jetzt 10.15 Uhr
Der Tag verlief ruhig. Nichts besonderes . Spazierengehen, ein bisschen Gymnastik, Yoga.
Gartenarbeit ruft. Heute ist noch mal ein wunderschöner Tag. Es soll 18 Grad und sonnig werden. Nutzen wir es aus. Der Sonntag wird kalt und regnerisch.
Es ist 11.45 Ich habe bis jetzt alte CDs durchgesucht. Was kann ich Euch noch schicken? Womit eine Freude machen?
Ihr könntet doch auch mal was wünschen. Ich glaube, ich habe A L L E S!!!
Heute also „widder en Büttsche Buntes“
1 .Gerda und Walter im Baurausch. Walter versucht Gerda ein Nähschränkchen zu bauen.
2. Was für die Fans alter schöner Stimmen: Die wunderbare Maria Mucke mit dem Mutmach-Titel: Es wird ja alles wieder gut. (Ihr Lied in Gottes Ort) Ich hab noch Lalelu in Petto….
3 Und für die Opernfans die unvergessene Stimme von Luciano Pavarotti mit Nessun dorma.

Es ist jetzt 21.15 Wir gucken 3 sat : Carmen von der Bregenzer Bühne, Zauberflöte…. Wunderbare Inszenierungen.
Jetzt ist Bettzeit angesagt. Wir dürfen morgen eine Stunde früher aufstehen…..! Warum schafft man diese blöde Sommerzeit/Winterzeit nicht endlich ab??
Neuste Zahlen noch zum Schluss:
54.000 Infizierte in Deutschland fast 400 Tote.
Soeben kommt die Nachricht, dass der Ehemann von Bürgermeister Wowereit an Herzversagen gestorben ist. Ich weiß zur Stunde nicht, ob er mit dem Virus infiziert war.

Ihr liebe Leut dodrausse, bleibt bitte dehaam und haltet Euch an die Maßnahmen, die offenbar die einzige Lebensrettung für uns sind. Gottseidank wird es morgen kalt und es wird regnen.
Ich wünsche Euch für heute eine gute Nacht.
Liebe Grüße , auch von Fritz
Ulli
PS. Wenn Ihr Lied oder Kabarettwünsche habt, schreibt es mir….




Guten Abend
auch heute am 10. Tag erwartet uns ein sonniger, frühlingshafter Tag. Wie wunderschön die Natur jetzt erblüht. Es ist jetzt 9.30 Uhr, ich beginne das Tagebuch nach unserem Frühstück jetzt.
Gestern haben zwei „Mitleser“ meine Idee, der Kassiererin im Supermarkt eine kleine Aufmerksamkeit zu schenken schon Schule gemacht. Bravo.
Und auch mein Tipp mal grüne Sosse mit Eier und Kartöffelchen kam schon gut an. Dann guten Appetit heute Mittag.
Die Berichte in der Zeitung heute haben mir wieder etwas mentalen Auftrieb gegeben.
So las ich von unserem Superastronauten Alexander Gerst, der mit der Überschrift:
Selbstdisziplin ist der Schlüssel doch auch gute Tipps gibt, wie man diese Isolation besser überstehen kann.
Schließlich weiß der Mann, wovon er spricht. Er war ja lang genug im Weltraum mit seinen Kollegen auf kleinstem Raum.
Jetzt wird einem erst ein bisschen klar, was diese Leute dort aushalten mussten. Und bei uns sind es noch nicht mal eine Woche, wo wir diese Maßnahmen einhalten müssen.
Auch eine Seite mit Anregungen für Sport daheim ist drin. Ich werde nachdem ich hier fertig bin, auf die Matte und Rückengymnastik und 4 mal meinen Sonnengruß (Yoga) machen.

Doch zur Aktualisierung der Ereignisse hier die neuesten Zahlen:
Amerika hat alles überholt: America first. Ja, der „tollste“ Präsident der Erde hat es wieder mal geschafft. Epizentrum der Pandemie zu werden.
Die Zahl der Infektionen lag gestern abend bei fast 82 000. In New York und New Orleans scheint es am schlimmsten zu sein.

Ich bin etwas in Sorge um meinen Neffen Martin und seiner Freundin Ilka, die seit einiger Zeit dort leben. Wir stehen in Kontakt.
Er versichert, dass er in seiner kleinen (aber sauteuren) Wohnung ausharren wird.
Das ist m.E. das Schlimmste: Kein Balkon, kein Garten, nur Fenster. Da muss man irgendwann verrückt werden oder auf neue Ideen kommen.
Ich glaube alle, die hier dabei sind, dürfen sich als privilegierte Menschen fühlen.
Mit etwas Garten und Ausgang im Grünen, am Rhein oder sonst wo. Fritz bezeichnet uns als „freilaufende Hühner“ mit etwas Käfighaltung. Gottseidank behält er immer den Humor, das ist wichtig.
Auch er setzt jetzt verstärkt Witziges auf sein Handy, was er per Whatsapp erhält und wieder verschickt und ihm immer neues „Futter“ für seine „Witzfabrik“ gibt.

Thema Mundschutz: Auch werden ja die tollsten Ideen verbreitet. Wer mit mir über Whatsapp korrespondiert kennt auch meine Vorschläge schon. Aber mal im Ernst: Brauchen wir das wirklich?
Hier die Antwort vom Präsidenten der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt:
„Mein Rat: Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selbst welche und tragen Sie diese im öffentlichen Raum.
Die Masken garantieren keinen Schutz vor der Ansteckung, aber die können ein wenig helfen, das Risiko zu verringern
, andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden!“
Also Mädels: Ran an die Nähmaschine und für die ganzen Frühlingsoutfits jetzt passende Mundbekleidung basteln! Ich habs mit Kaffeefilter Nr 4 probiert.
Es klappt auch ganz gut. Nachdem wir unsere Aldi Kaffeemaschine mit Kapseln (übrigens tolle Maschine und nicht teuer) haben, lag noch ein 100er Päckchen im Keller.
Anleitung: Rechts und links ein Gummiband festtackern. Fertig. Man sieht zwar aus wie Miss Daisy Duck und bringt mit Sicherheit die Leute zum Lachen …. Und hilft auch!!

Soeben kommen neue Zahlen: 10.50 Uhr :
Über 45000 Menschen in Deutschland infiziert. Das sind 3000 mehr an einem Tag. 274 sind verstorben. Solche Entwicklungen machen schon Angst. Darum bleibt zu Hause und erledigt wirklich nur das Allerallerallernotwendigste. Und wenn Ihr Euch was Gutes als Zwischenmahlzeit mal gönnen wollt: Kauft Euch fettduzierten Skyr und mischt es mit tiefgefrorenen Himbeern. 2 Packungen eingekauft: Hält für 10 Portionen.
Bin heute stramm meine 4 Kilometer bergauf, bergab marschiert. Alleine mit einem wunderbaren Podcast im Ohr. Kennt Ihr die App? ARD Audiothek. Habe mir eine Stunde ein Interview mit Dunja Hayali reingezogen. Ladet Euch die App runter, ist beim Spaziergang wirklich interessant. Fritz, meine Wühlmaus, war den ganzen Mittag im Garten.

Weitere Zahlen vom heutigen Freitag:
12.30 Uhr : Boris Johnson, unser chaotischer Wischbob aus dem Brexitland ist auf Positiv Corona getestet.
18.15 Uhr In Italien allein heute 1000 Tote mehr.
18.36 Uhr Südafrika meldet die ersten Tote

Ich schau mir nur noch morgens Moma für eine halbe Stunde an und abends Heute oder die Tagesschau. Das alles macht Ihr ja auch.
Den halben Tag bin ich auf der Suche nach passender Musik für Euch. Und das macht riesig Spaß. Es ist kein Druck dahinter. Ich habe soviel Zeit und mach es wirklich gern.

So habe ich auf der Suche nach Musik für Euch eine CD von meinem / unserem Freund Nick Benjamin gefunden. Als ich mir die Songs anhörte wurde ich sehr traurig. Was war er doch für ein brillantes Multitalent. Ich vermisse ihn sehr. Wir waren so gut befreundet, haben jahrelang das Musical Feucht und Fröhlich mitgespielt, bei mir im Mundartverein als Supertalent soviele Menschen zum Lachen gebracht in den Hauptrollen, die er (ohne Gage) bei uns gespielt hat. zusammen gespielt, Radiosendungen produziert und soviel mehr Diese Songs kommen jetzt nach und nach auch zu Euch. Heute : Fly me to the moon. Hoffentlich geht es ihm dort jetzt besser…..
Ihm will diesen Tag widmen. Ich möchte, dass auch Ihr an ihn denkt. Ich hänge Euch einiges dran, was nur ein Bruchteil seines Könnens zeigt. Ihr werdet Euch gern an ihn erinnern.
1. Fly me to the moon Nick , der Frank Sinatra von Wiesbaden
2. Nick erzählt bei uns im KIK einen Weihnachtswitz.
3. Duett aus unserem Musical von Frank Golischewski : Frisch und Munter: „Und Du siehst es ist gut“. Es ist ein livemitschnitt, daher etwas lauter stellen….
(Mein Lieblingslied, das Frank mir auf den Leib schrieb. Es beschreibt ein bisschen mein Leben….! Wer uns kennt, kann das raushören….)
4 . und kostenlos ein Buch von Thomas Brenzina, der heute im Wiesbadener Kurier vorgestellt wurde. Wird sicher dem einen oder andern gefallen. Auch Gruner und Jahr stellen bis 30. April alle Magazine kostenlos ins Netz. Ich muss mich noch erkundigen, ob es nur für Abonnenten gilt oder für jeden. Ich glaube auch Amazon, Netflix und Sky bieten jetzt kostenlose streamings an.
Morgen mehr.
Habt einen entspannten Abend und genießt ein gutes Glas Wein…
Den Rest seht Ihr selbst bei den Nachrichten.
Also dann bis morgen

Herzlichst
Eure Ulli

PS. Mein Buchtitel Wärn mer nur dehaam geblibbe gilt all denjenigen ,die jetzt aus den Urlaubsländern zurück befördert werden müssen.

Donnerstag , der 26.3.2020

Es ist schon der 9. Tag meines Tagebuches. Mein Gott, wieviel ist in den letzten Tagen passiert. Wieviel haben wir uns mit Nachrichten die Zeit verbracht
Aber einige meiner Mitleser haben mir doch sehr liebenswerte Feedbacks geschickt. Das freut mich sehr. Denn man schreibt ja diese Zeilen eigentlich für sich, dennoch weiß man ja nicht,
wenn man es verschickt, wie der Empfänger es empfindet.
Es freut mich auch, dass mein Unterhaltungsprogramm so gut ankommt. Mal sehen, was ich heute finde. Kommt auch ein bisschen auf meine innere Einstellung an.
Ich bin ehrlich. Heute war nicht mein Tag.
Da verschwindet jetzt langsam das Gefühl, dass ich mit dieser Krise ja eigentlich nichts zu tun habe und mir das alles nur im Fernsehen anschaue wie ein Sciencefiction-Movie.
Ich sitze leider mitten drin. So wie alle auf dieser Welt.
All unsere Freunde, weltweit, erleben unsere Situation im Moment 1 : 1. Und dieser Zustand wird m.E. noch recht lange andauern.
Ich würde mich allerdings so freuen, wenn unser „Hausvirologe“ Dr. Drosten recht hat und wir in 14 Tagen andere Ergebnisse vorlegen können, weil wir halt doch vernünftiger geworden sind.
Aber wielange wird es dauern?
Das ist eine Frage, die sich jetzt aufdrängt. Wird es z.B. ein Rheingau Musik Festival oder Burgfestspiele Dreieichenhain oder Schlosskonzerte Weilburg geben?
Noch ist dort alles in Hab-Acht-Stellung und wartet auf behördliche Anordnung.
Das sind genau die drei Veranstaltungsorte, die bei mir noch als „GO“ angesagt sind.
Meine Vermutung ist aber, dass man nichts dergleichen ausführen wird. Jetzt sind wir isoliert auf 2 Personen. Und sollen im Juli schon wieder mit 500 in einem Open Air Konzert zusammen sitzen ?
Wie soll das gehen? Ich glaube nicht, dass wir das schaffen. Wenn es nicht ist, dann ist es eben nicht.
Et küt wie et küt un es is immer widder jud jejangen. So die Kölner. Ich will ihnen mal zuversichtlich glauben, den Rheinländern mit ihrem ewigem Optimismus und Humor.
Was macht Ihr eigentlich so den ganzen Tag?
Ich habe angefangen, in alte Weinkartons kleine alte Videofilme mit meinen Chansonprogrammen von 25 Jahren zu verstauen, um Platz in Schubladen zu bekommen.
Wer soll sich die ganzen Filme denn noch ansehen? Und vor allem wann? Jetzt wäre die Gelegenheit dazu. Aber ich habe keine Lust. Der Tag geht auch so schnell vorbei.
Es ist erstaunlich, wie schnell es wieder Abend wird und es ist nichts passiert. Spazierengehen und Hausputz mit Hilfe meines Fritz.
Ich hasse staubsaugen. Aber auch nur, weil wir ein Monstergerät haben, das unsäglichen Lärm macht. Und unhandlich dazu ist.
Den hat mein Mann damals gegen meinen Willen angeschafft und den will er unter keinen Umständen abschaffen. Also muss er auch mal ran.
Und er hat es auch geschafft. Ich habe dafür das Putzen übernommen.

Ein alter guter Freund hat mich übrigens in einer Mail zur „Stadtschreiberin von Eltville“ erkoren. Das ehrt mich sehr. Lieben Dank dafür.
Von ihm erfuhr ich heute, das er heute aus Island zurückgekommen wäre… wäre.
Aber schön finde ich die Urlaubsorte, die er jetzt für weitere Reisen ausgewählt hat:
Ballkongo, Sofabique, Haustralien oder Klofont. Zwischendurch nehmen sie eine Bangladusche und abends gehen sie nach Bettland…..
Das bringt doch auch bei Euch ein Lächeln ins Gesicht gell?? Ja, so wird jeder jeden Tag ein bisschen kreativer.
Die vielen, vielen Whatsapp Nachrichten halten uns ja alle auf Trapp… Gottseidank haben wir noch Internet, Telefon, Whatsapp…. Was wäre ohne?????
Leider wurden meine Hefe-Einkäufe am gestrigen Tag von einem weiteren Freund schon als Hamsterkäufe gesehen.
Nein, mein Lieber, diese 5 Päckchen waren Tauschware, die auch gern einsetze, falls mir Klopapier ausgehen sollte.

Und noch was Wichtiges. Was kocht man so jeden Tag?
Heute gabs bei uns frische Kartoffeln, hartgekochte Eier und selbstgemachte – aus eigenen Kräutern- Grüne Soße.
Es fehlte zwar das eine oder andere Kräutlein, aber wen stört das? Es hat herrlich geschmeckt.
Mein Koch hat angekündigt morgen,also Freitag, gibt’s Bandnudeln mit Spargeln, Surimi und (eigenes) Bärlauchpesto. Vielleicht auch eine Anregung für Euch???
Das muss ich schon sagen: Fritz verwöhnt mich jeden Tag. Leider kann ich fast nicht mehr auf der Waage ablesen, wieviel ich wiege. Ich wiege mich daher auch nicht mehr.
Gottseidank hab ich heute ½ Stunde Gymnastik gemacht, wie ich sie im Fitnessstudio gelernt habe. Man muss sich einfach zur Disziplin zwingen. Ist ja sonst keiner da, der einen antreibt.
Das wär unser Tag in Kürze vom heutigen Donnerstag und hier noch die unvermeidlichen Zahlen des Tages.

+++ 14.35 Uhr: Die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Hessen ist am heutigen Donnerstag (26.03.2020, Stand: 14 Uhr) auf 2170 gestiegen. Dies geht aus der Übersicht des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration hervor. Seit dem gestrigen Mittwoch (26.03.2020) wurden damit 261 Fälle mehr bestätigt. Das Stadtgebiet Frankfurt am Main ist weiterhin mit 237 Fällen der Ort mit den meisten Infizierten. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist mit 28 Coronavirus-Infizierten der Kreis mit den wenigsten Fällen. Weiterhin werden auf der Übersicht nur sechs, anstatt sieben Todesfälle aufgeführt.
Mitte der vergangenen Woche entsprach die Zunahme der Fallzahlen noch einer Verdopplung alle 2,3 Tage. Bereits Anfang dieser Woche zeichnete sich eine deutliche Verlangsamung ab, die jedoch nicht aussagekräftig war: Eine Recherche des Spiegel hat gezeigt, dass viele Gesundheitsämter am Wochenende keine neuen Fallmeldungen weitergaben. Inzwischen sind die Zahlen jedoch nachgemeldet, weshalb die derzeitige Verdopplungszeit von 4,5 Tagen als gesichert gelten kann - zumindest, was die durch Tests bestätigten Fälle anbelangt.

Ich habe gelesen, dass alle 100 Jahre so eine Pandemie über die Menschheit komme. So ganz stimmen die Zahlen nicht. Es sind rund 100 Jahre, teilweise aber Epidemien und keine Pandemien
Dieses habe ich gefunden:
https://www.mimikama.at/allgemein/treten-seuchen-im-100-jahre-intervall-auf-faktencheck/ wer es nachlesen will, hier der link.
• Der Schwarze Tod: 1350 – Ein Drittel der Weltbevölkerung starb
• Die dritte Pest-Pandemie: 1855 – 15 Millionen Tote
• Die Russische Grippe: 1889 – 360.000 Tote
• Die Asien-Grippe: 1957/58 – 1.1 Millionen Tote
• AIDS: 1981 bis Heute – bisher 35 Millionen Tote
Schlimme Zahlen, wir können über Corona noch gar nichts sagen, wie es enden wird. Vielleicht sind wir – die wir im digitalen Zeitalter leben und besser informiert werden – doch besser dran und überwinden diese Krise schneller…. Wer weiß es heute schon?


Guten Morgen,
diese Nacht, wie auch die vorherigen habe ich relativ schlecht geschlafen. Immer wieder wach ich auf und fange an zu grübeln.
Ich komme erst jetzt so langsam in der Realität an.
Wenn ich mich genau beobachte, dann war ich wohl bis gestern noch immer der Meinung, ich bin in einem Albtraum, aus dem ich nicht aufwache.
Die Berichte des heutigen Tages sind wieder dermaßen deprimierend, dass man am liebsten einfach die Meldungen ignorieren möchte.
Ich habe zunehmend ein mulmiges Gefühl im Bauch, das mich den ganzen Tag und auch nachts beim Aufwachen begleitet.
Es bleibt einem aber nichts anderes übrig, als sich mit der Tatsache abzufinden, dass wir uns einer Situation zwischen Leben und Tod befinden und dass wir alles tun müssen, uns durch Isolation zu schützen.
Wir lesen Zeitung und werden fast nur noch über das eine Thema informiert. Hat jemand noch was über das Erdbeben in Kroatien erfahren? Über die Flüchtlingskinder in Griechenland? Die kämpfen doch zusätzlich auch noch mit der Corona Krise. Größtes Entsetzen bei uns heute war aber die Nachricht, dass Trump „zum normalen Leben bis Mitte April zurückgekehrt sein will und die Leute wieder zur Arbeit schickt!“ Was geht im kranken Hirn dieses Vollidioten eigentlich vor? Glaubt er vielleicht er sei Gott und könne die ganze Welt auf den Kopf stellen? Ihr habt es alle gelesen. Ich schreib es nur auf, damit sich daran später mal erinnern kann
Die europäischen Binnengrenzen sind alle dicht. An ein gemeinsames Europa ist im Moment nicht mehr zu denken. Wir sind weit vom Schengener Abkommen entfernt.
Mit diesen Gedanken vom frühen heutigen Donnerstag hier noch mein gestriger Tag
Kommt bitte alle mit Zuversicht und guter Hoffnung in den Tag.
Liebe Grüße
Ulli


Mittwoch, den 25.3.2020
Tag 8
Coronatagebuch


Heute kommt mein persönliches Einkaufserlebnis vom Mittwoch.
Ich musste morgens für Fritz auf der Bank etwas Wichtiges erledigen. Die Gelegenheit hab ich wahrgenommen, um schnell bei Lidl einige Kleinigkeiten einzukaufen.
Fritz suchte und fand bereits vor 10 Tagen schon 4 Mundschutzmasken, offenbar die Dinger, die wirklich Sinn machen, allerdings vom Staub in unserem Gaddehäusje doch ziemlich mitgenommen. Er hat sie vor Jahren gekauft, gegen die umfliegenden Späne beim holzsägen. Egal, ich hab sie abgestaubt und angezogen.
So ausgerüstet und mit Latexhandschuhen bin ich also los. Komisches Gefühl ist es schon mit Mundschutz durch Eltville zu laufen. Vor 8 Tagen hatte ich noch jeden, den ich damit auf der Straße gesehen habe, belächelt.
Jetzt, nachdem mir der Ernst der Lage und vor allem mit einem Risikopatienten daheim, absolut klar ist, habe ich mich aber sicherer gefühlt. Wenngleich ich nur einen einzigen Menschen auf der Straße mit Mundschutz gesehen habe.
Schnell zur Bank, zur Post und dann zum LIDL. Hefe sollte es sein, um mein 1. Brot zu backen. „Hefe? Das haben wir schon lang nicht mehr!“ – „Und Ingwer?“ – „Ne, das haben wir auch nicht mehr.“
Gut, der Rest war schnell erledigt. Da stehe ich doch vor einem großen Berg mit … man glaubt es kaum… Klopapier. Natürlich habe ich es nicht angerührt. Und an der Kasse stand ein Mann hinter mir mit 2 Paketen 4lagigem weißem „Gold“.
Der Kassierer, der mittlerweile geschützt durch eine Glasscheibe sitzt, ruft ihm entgegen: „Nur 1 Packung ist erlaubt!“ Vielleicht hätte er sich mit mir absprechen sollen. Denn ich hätte ihm ja eine Packung abnehmen können, den er mir dann auf dem Parkplatz wieder abkaufen konnte! Ich muss lachen, wenn ich an so eine Situation nur denke. Dieses heißbegehrte Klopapier!! Es ist schier unfassbar, warum die Leute ausgerechnet sowas horten. In Notfällen könnte man auch die Tageszeitung zurechtschneiden.
Aber keine Hefe….! Schade, wieder keine Chance, selbst mal ein Brot zu backen. Und Ingwer hätte Fritz für seine Kürbiskonfitüre gebraucht, die er heute noch herstellen will.
Nachdem ich den Einkaufswagen abgestellt, meine Handschuhe entsorgt habe, fällt mir der REWE ein. Der wird vielleicht Ingwer und Hefe haben! Hatten er! Trockenhefe, ich habe gleich 5 Päckchen gekauft. Es waren die Letzten. Ingwer gabs genug.
Ich kaufe noch eine Tüte mit Lindt-Ostereier mit einem gewissen Hintergedanken und bezahle. Ohne Einkaufswagen…wegen mittlerweile weggeworfener Handschuhe.
Es sind wenig Leute im Laden. Vielleicht 4 oder 5.
Ich komme direkt dran. Als die Kassiererin meinen Einkauf sieht sagt sie erstaunt: „Da haben Sie aber Glück mit der Hefe. Die haben wir gerade heute reinbekommen.“ Wie hab ich mich gefreut, wenigstens 5 Päckchen noch ergattern zu können. Über solche banale Kleinigkeiten erfreut man sich in diesen Tagen. So ähnlich muss es in der Schrottelzeit gewesen sein. 1 mal Hefe, gegen 1 Kilo Mehl….!
Nachdem ich alles bezahlt habe, lege ich die Ostereier wieder zurück aufs Band und sage zur erstaunten Kassiererin: „Die sind für Sie! Alles Gute und bleiben Sie gesund.“ Was hat sie sich gefreut. Und ich erst!!!
So, jetzt sind wir für die nächsten 8 Tagen mit allem an Lebensmittel versorgt. Ich gehe nicht mehr raus.
In Isolation kommen einem solch kleine Erlebnisse wie dieser Einkauf wie Großereignisse vor.
Es ist 18.15. Uhr Wir haben einen tollen Spaziergang gemacht. Immer der gleiche Weg, immer im Sonnenschein, heute aber bei besonders kaltem Wind. Ich bekam eine Whatsapp Empfehlung, wie man sich mit der Boxershorts seines Mannes einen Mundschutz machen kann. Natürlich hab ichs gleich ausprobiert und weitergesendet und lachende smilies zurückbekommen. Bingo. Die Leute haben gelacht…! Das ist auch zwingend erforderlich in diesen Tagen. Humor sollte man sich bewahren und weitergeben.
Ich habe noch keine weiteren Nachrichten gehört. Dafür aber gegen mein mittlerweile mehr nach oben steigendes Gewicht, einen youtube Kanal gesucht, wo ich ein workout machen konnte. Zunächst Aerobic für Anfänger und dann noch eine Art Zumba für Anfänger. Man muss ja mal anfangen, wenn einem der fast wochentägliche Gang zum Fitnessstudio schon fehlt.
So, jetzt ist Feierabend. Ich werde um 19 Uhr bei HEUTE erfahren, was es Neues gibt.




Dienstag mittag 14.50 Uhr
Wir kommen gerade von einem herrlichen Spaziergang durch die Weinberge zurück. Es ist in der Sonne 16 Grad (so zeigts mein Iphone an. Gefühlt allerdings 3 Grad und eisiger Wind. Wie in Südtirol beim Skifahren ohne Schnee. Man schwärmt von vergangenen Urlauben. Ob im Schnee oder in der Sonne. Wir durften soviel in unserem Leben sehen.
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus welchem wir nicht vertrieben werden können, so schrieb schon Jean Paul. Wie recht er hatte.
Und das sollte bei uns allen ankommen: auch mal die schönen Zeiten denken.
Wir alle sind in einem Alter, wo man auf ein ziemlich langes Stück Leben zurückblicken kann.
Sicher, es war auch für den einen oder anderen nicht immer schön, aber in der Summe haben wir eine wunderschöne, sorgenlose Zeit gehabt.
Gut, jetzt gilt es eben, diese Krise gemeinsam (wenigstens virtuell) zu überstehen. Mut machen, Anregungen schicken, Telefonieren….!
Es gibt auch in der Zeit der Isolation noch viel, was man unternehmen kann.
Heute schrieb mir Annegret Cratz, sie habe gestern gelesen, das ich Brot kaufen wollte. Sie schickte mir ein Rezept zum Selbstbrotbacken. Ja, gern würde ich es probieren. Aber Hefe haben wir nicht im Haus.
Mein Schwager Franz bringt mir später welches mit. Wenn er es bekommt.
Heute ist auch mein Putztag. Besser gesagt: Es wäre mein Putztag. Ich habe meinen kleinen Robbi (Lidl 89 €), also meinen elektrischen Staubsauger durchs Wohnzimmer gejagt, während ich ausgiebig geduscht und Haare gewaschen habe. Da er sich immer unterm Sofa versteckt, hatte ich ihm die Wege dorthin versperrt. Der große Gymnastikball und der Sitzwürfel sollten als Barrikade dienen. Als ich wieder aus dem Bad kam, hörte ich schon sein Piepsen. Wie er schon wieder unter das Sofa gekommen ist, ist mir ein Rätsel. Musste doch mal lachen.
Ich werde morgen putzen. Vielleicht. Kommt ja eh keiner. Aufräumen müsste ich daher auch nicht. Mich stört es aber schon selbst, wenn vom Abend vorher alles rumliegt.
Bis jetzt habe ich keine Nachrichten gehört oder gesehen. Irgendwie hat man langsam genug von den schlimmen Nachrichten.
Dennoch will ich auch heute die neuesten Daten festhalten:
Es ist jetzt 15.00 Uhr.
ntv:
- Klosterfrau und Jägermeister spenden Desinfektionsmittel. Na, das ist ja mal eine vernünftige Spende. Insgesamt gebe es von Klosterfrau 500.000 Flaschen Handdesinfektionsmittel. Jägermeister steuert mit 50.000 Liter Ehtanol ebenfalls zur Herstellung bei.

- Söder stockt Coronahilfe auf . Im Haushalt sollen nun 20 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Bayern first!! Bravo Herr Söder, Sie gehen mit gutem Beispiel voran. Hoffentlich kommt das Geld dann auch sehr bald an die richtigen Stellen.

- Gold wird deutlich teurer. Für alle Dagobert Ducks unter Euch ja eine gute Nachricht. Die Feinunze liegt jetzt bei 1602 US-Dollar.

- Fußball: Bayerstars verzichten auf Gehalt. Kleingedruckt: Aus Solidarität geben die Spieler 20 % ihres Gehaltes ab. Bei dem Monatseinkommen kann man leicht auf 20% verzichten.

- 2 Neueste Zahlen: 30284 Infizierte, 132 Tote in Deutschland, USA 42732 Inf,525 Tote

- Fast 4800 Neuinfektionen innerhalb eines Tages in Deutschlands
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Weiter Stand: 24.3.2020:
- Gute Nachrichten: REWE, PENNY wollen ihren Mitarbeitern in der Krise mit einem Bonus belohnen. Der Konzern nimmt dafür 20 Millionen in die Hand.

- Die Familienministerin rechnet mit mehr häuslicher Gewalt.

- Die olympischen Spiele in Tokyo sind auf 2021 verschoben. Mit nichts anderem habe ich gerechnet.Ist auch vernünftig.


So könnte ich unentwegt neue Nachrichten schreiben. Ich beende es hiermit .Es ist 15.20 Uhr

Morgen mehr.
Liebe Grüße und viel Spaß bei meinem Anhängen.



Guten Morgen,
man weiß schon gar nicht mehr, was man schreiben soll. Jeder kann lesen, jeder hört und sieht das gleiche wie wir hier auch.
Dennoch will ich das Tagebuch weiterschreiben. Damit ich mich später mal erinnern kann, in welcher rasanten Zeit wir im Moment die „größte Krise seit den 2. Weltkrieg“ (so wurde schon geurteilt)
überstehen und durchleben.
Mal sehen, wie wir heute unseren unfreiwilligen Urlaubstag erleben werde. Ich müsste zum Arzt und auf die Post, auch Brot kaufen. Ich verzichte auf alles.
Stattdessen hoffe ich, dass ich heute noch irgendwas Sinnvolles zustande bringe. Mein Mann wird sicherlich den Garten weiterbearbeiten. Wohl dem, der einen Garten hat…!
Wir werden auf alle Fälle den Tag auch dazu nutzen ,die Sonne in den Weinbergen und auf der Terrasse genießen.
Unvorstellbar, dass man noch vor einer Woche am Sonntag scharenweise herumstreunen konnte und sich jetzt mit max. 2 Personen zeigen kann.
Soeben lese ich auf die neusten Zahlen auf ntv: 10.55 Uhr mehr als 30 000 Infizierte in Deutschland.

Ich wünsche Euch trotz allem einen guten und hoffentlich sorgenfreien Tag


Diesen Link hat mir mein Kollege Jo van Nelsen soeben geschickt. Auch die Grafik in der Anlage ist wohl ein wichtiger Hinweis auf die finanziellen Massnahmen der Regierung in der schlimmen Zeit.
https://padlet.com/kreativedeutschland/zu41puas9yk3?fbclid=IwAR2SN_43Qe4PexG8WKYFbcSeKSuaauTUOro8gePduLkW7zj8fES3PBslgug
Und hier der gestrige Montag

Tag 6 Montag 23.3.
Strahlender Sonnenschein. Wir waren wieder bei klarster, eiskalter Luft im Sonnenschein in den Martinsthaler Weinbergen spazieren.
Irgendwie bin ich seit heute zuversichtlicher. Meine Hoffnung auf ein vernünftiges Handeln der bislang Unvernünftigen und Dummen ist gewachsen.
Natürlich schläft man mit einem mulmigen Gefühl ein und wacht mit einem solchen auch wieder auf. Gut nur, dass man überhaupt schläft.
Und man „wohnt“ jetzt im Wohnzimmer. Dieses Zimmer, das für Gäste ja immer präpariert aufgeräumt ist, ist jetzt unser „Wohnzimmer“. Herrlich!
Die Yogamatte liegt mitten drin, auf dem ausgefahrenen Sofa hab ich für Fritz eine weiche Decke, damit ich Lymphdrainage an seinem Bein machen kann.
Fritz kocht jeden Tag ein tolles Mittagessen und ich sitze vom Frühstück bis zum Essen am PC und suche schöne Gedichte, Chansons und Sketche, um auf
Facebook, Instagram oder eben hier auf diesem Weg meine Mitmenschen und Freunde etwas zu erheitern.
Viele meiner Kollegen tun dies seit einiger Zeit. So hat meine liebe junge Kollegin Sabine Fischmann ein Song für alle Kinder dieser Welt geschrieben und ihre
Kleinen Töchter haben ihn eingesungen. Er hängt in der Anlage dran.
Ja, was gibt’s neues ?
Frau Merkel ist negativ getestet. Gottseidank. Das wäre auch ein zusätzliches Desaster, wenn unsere 1. Frau im Staat krank würde.

In ntv lese ich, dass in Deutschland heute mehr als 26.000 infizierte Menschen in Deutschland gezählt wurden. Davon sind mehr als 100 verstorben.
Und das ist ja eine Zahl, die sicherlich schon 8 Tage alt ist.
In den Nachrichten höre ich, dass einige Sportler, die sich auf Olympia 2020 in Tokyo vorbereiten, bereits abgesagt haben. Ich finde das sehr vernünftig.
Denn ich glaube nicht, dass wir in 3 Monaten wieder großen Mengen zusammen sitzen. Und Sportveranstaltungen ohne Publikum sind einfach nicht schön.
Weder für die Zuschauer, noch für die Athleten. Ich glaube auch nicht daran, dass weder das Rheingau Musik Festival noch irgendwelche andere open Air
Festivals 2020 stattfinden. Man könnte doch alles – so wie es ist – um 1 Jahr verschieben. Leicht gesagt, ich weiß….
Weitere Nachrichten: 120 000 Deutsche werden auch den Urlaubsgebieten heimgeflogen. Ich kann die Menschen nicht verstehen, die in den letzten drei Wochen
noch in Urlaub geflogen sind. Ich habe bereits im Februar unseren Urlaub für Ostern in Teneriffa gecancelt. Mir war das damals schon nicht suspekt.
Jetzt müssen viele erst mal ausharren, bis sie zurückkommen können.
Der Dax steht heute bei 8741. Eine weitere Talfahrt ist nicht auszuschließen. Man überlegt, die Börse zu schließen. Aber dann kämen die Anleger nicht mehr
an ihr Geld. Und dann gäbe es auch Panik. Soweit der heutige Stand
Und unser „goldiger“ Präsident Trump, das A….., verbreitet weiter Optimismus . Dort sind die Fallzahlen von Infizierten heute innerhalb eines Tages um 50 % gestiegen
Und liegen damit bei 12.392 (Stand 13 Uhr) Und er verkündet: „Wir werden stärker, besser und größer hervorgehen – in jeder Hinsicht!“

Hier noch zum Schluss die traurige Bilanz der Todesfälle : Deutschland 116, China 3270, Italien 5476 !!!, USA 428, Spanien 1756, Iran 1685



Tag 5 22.März 2020 Sonntag

Die Sonne scheint. Mein Fritz hat heute Geburtstag und ich habe mir eigentlich vorgenommen, einen Tag mit den Aufzeichnungen auszusetzen. Aber das, was mir meine Cousine Silke gestern per whatsapp geschickt hat, muss ich doch loswerden. Sie ist Krankenschwester in der HSK und nachdem ich mich erkundigt habe wie es ihr ergeht, schrieb sie mir folgende Zeilen:
„Ja, es wird immer schlimmer, ins Krankenhaus dürfen nur noch Patienten, die vom Notarzt gebracht werden. Wir haben die Stationen zu Coronastationen umfunktioniert. Wir operieren nur Notfälle. Darum müssen wir in der Notaufnahme und auf den intensiv Stationen arbeiten, da wir OP Schwestern mit den ganzen technischen Geräten umgehen können. Und vor allem können wir Patienten beatmen! Wir sind viel zu wenige!“
Nach dieser Nachricht sind mir doch zum ersten Mal die Tränen gekommen. Wie unfassbar tapfer und stark müssen diese Menschen in den Krankenhäusern sein.

22.03.2020 - 11:18 Uhr BILD per Internet
Ein kleiner Hoffnungsschimmer…???.
In Deutschland hat sich der Anstieg der Infektionen und Todesfälle durch das Virus verlangsamt.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag 18 610 Infizierte, das waren 1948 mehr als am Vortag. Damit sind die Neuansteckungen den vierten Tag in Folge rückläufig, am Samstag war die Zahl der Krankheitsfälle noch um 2705 gewachsen.
Allerdings warnte das Institut, am Wochenende seien nicht aus allen Ämtern Daten übermittelt worden, so dass der tatsächliche Anstieg der Fallzahlen höher liegen könne als gemeldet. „Die Daten werden am Montag nachübermittelt“, erklärte das RKI.
Die Zahl der Toten nannte das Institut am Sonntag mit 55, verglichen mit einem für den Samstag gemeldeten Anstieg um 15 auf 46. Dazu teilte das Institut mit, ein Patient sei am Samstag fälschlicherweise als verstorben gemeldet worden.
Heute um 14 Uhr zieht Bundeskanzlerin Angela Merkel (65, CDU) gemeinsam mit den 16 Ministerpräsidenten der Länder Bilanz!
Halten sich die Bürger freiwillig an die Regeln - möglichst zu Hause bleiben, Abstand halten, keine Corona-Partys. Oder muss es härtere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus geben? Sollten sich die Deutschen am Wochenende nicht einsichtig genug gezeigt haben, drohen bundesweite Ausgangssperren!


Angela Merkel trat um 17.30 gestern wieder vor die Kamera. Die Bundeskanzlerin sagte Kontakte von mehr als 2 Personen im öffentlichen Raum sind verboten. Restaurants und Friseure haben jetzt geschlossen. Bei Verstößen drohen Bußgelder. Die Massnahmen gelten mindestens für 2 Wochen. Merkel selbst ist kurz nach der Pressekonferenz in Quarantäne, weil sie Kontakt zu einem infizierten Arzt hatte.

‚Es wurde allerhöchste Zeit, dass endlich schärfer durchgegriffen wird. MP Söder aus Bayern, der mir bislang immer sehr unsympathisch war, macht jetzt in der Krise einen sehr guten Job. Auch abends spät noch hat er die wirklich dummen Fragen von Anne Will sehr klug beantwortet und ins rechte Licht gerückt. Nein, es gibt keine Entspannung! Die Lage in Deutschland ist auch nach Ansicht von Ärzten und Virologen lebensbedrohlich ernst.
Den ganzen Tag lang bekam Fritz Glückwünsche per Telefon, whatsapp und Mail. Es war unglaublich schön, mit jedem Einzelnen auch mal zu sprechen, Zeit zu haben dafür. Das ist bei einer Party im größeren Stil gar nicht möglich. Ob aus Neuseeland, Kalifornien, Spanien, Südtirol. Bei allen ging es um das gleiche Thema. Man lebt isoliert und hat überall die gleichen Regeln. Abstand halten, Kontakt vermeiden, Einkäufe eindämmen.
So traurig die momentane Lage weltweit ist, so war es doch wohltuend, auch mal die Stimmen von unseren Freunden und Verwandten persönlich zu hören…! Vielen Dank , Ihr Lieben an alle, die dieses Tagebuch mit lesen, Ihr habt den Geburtstag unvergessen gemacht.!!
Mittags sind wir in den Weinbergen spazieren gegangen. Eine ungewöhnlich klarer, sonniger, aber auch kühler Tag, den wir sehr genossen haben. Der Himmel war strahlend blau. Keine Wolke und – was äußerst ungewöhnlich war- kein einziger Kondensstreifen von Flugzeugen. Greta Thunberg hat dies wohl auch schon bemerkt und freut sich wohl über diese Tatsache

Auch wenn es ein sehr einsamer Geburtstag war, wir haben ihn beide sehr genossen.
Ende 22.45 Uhr


Corona Tagebuch 4.Tag

21.März 2020 Samstag

Es ist bereits 13.00 Uhr und ich habe seit dem Frühstück überwiegend Whatsapps und mails bearbeitet, jeder verschickt etwas, manchmal sinnvoll, vieles Dumme ist auch dabei.
Man weiß gar nicht so recht, wo ich jetzt anfangen soll.
Diese plötzliche Freiheit hat auch ihre Tücken. Man lebt so planlos. Ich muss mir jetzt wirklich eine to-do Liste aufsetzen. Und zwar mit den Dingen, die ich zur von mir vorgeschriebenen Zeit auch einhalte.
Gottseidank schickt der Himmel heute kalten Wind und vor allem Regen zu uns in den Rheingau.
Hoffentlich bleiben jetzt wirklich alle mal zu Hause. Der Wiesbadener Kurier hat auf der Rückseite heute in Plakatform groß geschrieben den Satz: WIR BLEIBEN ZU HAUSE und darunter: „Und wir danken allen, die den Laden am Laufen halten.“ Ich habs über unserem Briefkasten vor dem Haus aufgehängt. Die deprimierende Nachricht dann auch von meinem Schwager: der Gutsausschank Diefenhardt ist ab sofort geschlossen. Wie lange? Auch hier stehen Existenzen auf dem Spiel.
Bundesweit sind alle Kneipen, Restaurants, Weinstände und sonstige Lokale dicht. Aus Köln berichtet eine Kneipenwirtin, sie befürchtet, dass wenn alles vorbei ist, auch die Hälfte der Kneipen nicht mehr in der Lage sind zu existieren. Solche Meldungen machen nicht nur traurig, sondern auch ängstlich.
Wie wird sich unser Leben wirklich nach der Krise entwickeln? Werden wir unserer deutschen Wirtschaft helfen können, in dem wir unseren Urlaub im Land verbringen und unser Geld in unsere Gastronomie und Hotellerie stecken?
Oder müssen es doch wieder aufwändige Kreuzfahrten und Auslandsreisen sein, die nur mit dem Flugzeug zu erreichen sind? Ich glaube, dass wir alles umdenken müssen.
Ein Gutes hat diese Krise aber auch: Dadurch, dass kaum noch Flugverkehr herrscht und die Staus sich auf den Straßen so gut wie aufgelöst haben, gönnen wir unserer Natur den Luxus, durchzuatmen. Wenn Emissionen von CO2 dann plötzlich sinken, könnte sogar eine Greta Thunberg glücklich sein. Nur müssten wir uns halt auch ein mehr einschränken.
Die Zeit wird es bringen, was zu tun ist. Aber wie ich uns Deutsche kenne, haben wir alle von unseren Vorderen auch gelernt, Disziplin zu üben.

Soeben kommen Nachrichten von ntv,

- 20 000 Corona Fälle in Deutschland!!

- über Nacht in Nordrheinwestfalen über Nacht 1000 neue bestätigte Coronainfizierte
Dort sind jetzt insgesamt 6740 nachgewiesene Fälle und 23 Todesfälle

-Spanien meldet 300 neue Todesopfer und 25000 Infizierte.

-Baden Württemberg will französischen Coronapatient aufnehmen. (Es wird höchste Zeit, dass Deutschland den überlasteten Ländern wie Italien und Frankreich Hilfe anbietet!)
- 240 Menschen in Südafrika infiziert.
- Pandemie könnte Großbritannien schlimmer als Italien treffen.
(Auszug aus der Meldung: Kritiker werfen Premier Boris Johnson vor, dass er durch seinen Schlingerkurs im Kamp gegen den neuartigen Erreger wertvolle Zeit verloren habe. …..weiter: aus Mangel an Kapazitäten und Ausstattung würden er und seine Kollegen künftig Entscheidungen über Leben und Tod treffen müssen – und Ressourcen nur jenen mit den größten Überlebenschancen zuweisen können.) Bei dieser Meldung bin ich sprachlos!!!
Soweit der Stand der Dinge um 13.40 Uhr.

Beim Schreiben dieser Zeilen und der Zahlen, die wir täglich nach oben schrauben müssen, wird mir langsam immer mulmiger.
Wir dürfen jetzt aber nicht verzagen, sondern hoffen, dass wir durch die Maßnahmen, so wenig wie möglich Kontakt zu anderen zu halten, die Lawine aufhalten können. Ich vertraue jetzt auch sehr auf meine Mitmenschen, vor allem die Jungen, die den Ernst der Lage vielleic langsam begreifen.
Lieber Gott, lass es weiter regnen und kalt bleiben, so lange wie möglich.

Und noch eine gute Nachricht für alle Künstler: Die Landesregierung NRW hilft, indem sie nach Antragsstellung der Künstler 2000 € ausschüttet, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Ich hoffe nur, dass sich das bundesweit sehr schnell ausbreiten wird, damit dort auch geholfen werden kann.

Es ist 18.30 Uhr am Samstag Nachmittag. Ich habe tatsächlich meinen Sonnengruß gemacht, mein uraltes Laufband wieder aktiviert und mir beim Laufen eine meiner uralten Vorstellungen aus dem Jahre 1991 im Rheingauer Musikfestival angeschaut. Erst jetzt komme ich dazu, die Sachen noch einmal aus anderem Blickwinkel nach so vielen Jahren zu sehen.

Ich lese gerade bei ntv: Italien meldet fast 800 Tote an einem Tag. Die Pandemie gewinnt an Tempo. In welche Ungewissheit steuern wir? Auch Südafrika steht unter Schock. Wenn heute morgen noch 240 Leute infiziert waren, so sind es jetzt, ein paar Stunden später über 1000.
Und diese Zahlen dürften schon 8 Tage alt sein. Genau wie bei uns. Nein, es ist keine Angst vor dem Virus, das ich habe, es ist die Angst vor der Ungewissheit, wielange dieser Spuk andauert.

Ende 19.00 Uhr


Freitag 20.März 2020



Meine erste Amtshandlung ist eine halbe Stunde MOMA. Heute in der ARD. Nachrichten, Wetter, dann Berichte. Im Bett. Natürlich dreht sich fast alles um Corona. Über die vielen Flüchtlinge, die in Griechenland in verheerenden Zuständen überleben müssen, über die Kriege in Syrien hört man fast nichts mehr. Eine Ärztin meldete sich aus Brixen, die befürchtet, dass die Sache in Italien noch viel schlimmer werden kann, als sie ohnehin schon ist. Es fehlen Mundschutz, Desinfektionsmittel, Beatmungsgeräte und Intensivbetten. Sie sagte, wenn auch noch die Ärzte krank werden und sterben (in Italien sind 14 Ärzte an Covid- 19 verstorben), dann breche die gesamte Grundversorgung komplett zusammen. In einem Bericht sah man auch einen Konvoi von vielen Lastwagen, die die vielen Toten, die nicht mehr in den dortigen Krematorien verbrannt werden konnten und die unterwegs waren zum nächsten großen Friedhof.
Allein diese Bilder werden mir noch lange durch den Kopf gehen.
Am Samstag, also morgen entscheidet die Politik wie es deutschlandweit mit Ausgangssperre weitergeht. Ich fürchte, und im Geheimen hoffe ich es, wir kommen nicht drumherum.

Heute wäre bei uns im Haus ja unsere Weinprobe, zu der sich mehr als 50 Personen angekündigt hatten. Ich bin so froh, dass wir das schon letzte Woche gecancelt haben. Derzeit ist es unvorstellbar, so viele Menschen eng gedrängt bei uns im Haus zu wissen.
Um 8.45 Uhr spielte man europaweit in jedem Sender im Radio den Hit: „You never walk alone“ Schöne Idee. Ich habe in Facebook einen Clip von Gerda und Walter gesetzt. Auch auf dieser Plattform versuche ich meine „Freunde“ ein bisschen abzulenken. Es tut sich viel dort.

Der Hessentag im Juni wird abgesagt. Ob Fußballspiele der Eintracht Frankfurt in diesem Jahr noch stattfinden können, steht in den Sternen. Ein Spieler ist infiziert. Die ganze Mannschaft in somit in Quarantäne.
Neue Absagen mit Ausfalleterminen bis Mitte Mai in meinem Fall machen mir mittlerweile nichts mehr aus.

Wie wichtig ist es doch jetzt geworden, sich Gesundheit zu wünschen. Dem Konsum nicht mehr hinterher zu jagen: Was kaufe ich mir für dieses Frühjahr neu? Schuhe, Handtasche, Hosenanzug, Kleid? Wo fahren wir in Urlaub hin? Alles Fragen, die im Moment für uns alle weit in die Ferne gerückt sind. Und? Brauchen wir das eigentlich alles? Werden wir uns nicht in diesen Zeiten auch bewusst, dass wir im absoluten Paradies lebten und noch immer leben, wenn wir uns endlich an die Maßregeln halten würden? Wir haben doch alles, was es zum Leben braucht. Mir tun nur die Menschen leid, die jetzt mit dem Existenzminimum überleben müssen. Aus allen Branchen! Alle sitzen im gleichen Boot.
Hoffentlich kann die Regierung da wirklich bald unbürokratisch eingreifen und helfen.
Nein, ich bin nicht pathetisch, ich denke nur mehr über meine eigene Lebenssituation nach.
Über mein Leben, wie schön, wie ausgefüllt es bisher doch war und ist. Viele liebenswerte Freunde, viele so tolle Kollegen, die ich kennenlernen durfte.
Und zu meinem größten Glück habe ich den Mann meines Lebens kennengelernt, g