Dieser Weihnachts-Wahnsinn
Hildegard Bachmann und Ulrike Neradt über Bräuche "hibbe und dribbe"
Von den manchmal erstaunlichen Weihnachtsbräuchen "hibbe un dribbe vom Rhei" erzählte das ausgezeichnete Mundart-Doppel
Hildegard Bachmann und Ulrike Neradt in einer aktuellsten "Kultur im Foyer"-Veranstaltung im Foyer des SWR.
Von Anjali Dubey
Weihnachtliche Stimmung kam auf, als die beiden Powerdamen mit dem Plaudern über Kindheitserinnerungen oder nur den ganz normalen Weihnachtsstress anfingen.
Zur Einstimmung sang die beliebte Fernsehmoderatorin, Chansonsängerin und frühere Deutsche Weinkönigin Ulrike Neradt das "Kalenderlied",
und das Publikum sang kräftig mit. Das Foyer war übrigens so gut besucht, dass sogar eine Leinwand zur Live-Übertragung aufgestellt
werden musste, damit auch die Gäste in der letzten Reihe das beliebte Gespann sehen konnten.
Hildegard Bachmann, eine feste Größe in der Mainzer Fernsehfastnacht, kommt ja bekanntlich aus Drais und schilderte in liebevoller Weise,
aber mit schwer ironischem Unterton die Busfahrt einer Familie mit drei kleinen Kindern zum Mainzer Weihnachtsmarkt -
und wie so ein weihnachtlicher Ausflug zum Abenteuer werden kann.
Die beiden Damen gaben abwechselnd Gedichte, Prosa und Erzählungen aus ihren eigenen Büchern zum Besten, aber auch von
anderen Autoren, wie zum Beispiel eine bitterböse Heiligabend-Parodie mit Hochprozentigem von Robert Gernhardt oder Hedwig Witte.
In "Der Adventskranz" beschreibt Hildegard Bachmann urkomisch, wie ein strebsamer Familienvater auf Drängen seiner Lieben hin jedes Jahr versucht,
einen kleinen Kranz zu schnüren - der zu guter Letzt aber immer so groß wie ein Wagenrad wird, mit der Folge, dass die
Familie am Frühstückstisch beim besten Willen nicht mehr weiß, wo sie die Butter und das Gelee abstellen soll.
Sie erinnern an die kindliche Schlaflosigkeit vor lauter Aufregung nach der Bescherung, den Kartoffel-Heringssalat an Heiligabend oder daran, dass das
Schreiben von Weihnachtskarten leider aus der Mode gekommen ist. Es gibt keinen Brauch, zu dem Bachmann und Neradt nicht eine lustige Anekdote zu "verzähle hädde".
Bachmann und Neradt hielten dem Publikum einerseits den Spiegel vor, schafften aber gleichzeitig Verständnis füreinander, denn schließlich kennt
an Weihnachten jeder den ganz eigenen familiären Wahnsinn.
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