Nicht "Woinachten"
Schmunzeln zum Fest im Nauheimer "Saalbau"
Vom 16.12.2008 Von Detlef Volk
NAUHEIM. Weihnachten ist eigentlich ein besinnliches Fest. Doch Familienfeiern bieten auch viel Anlass für Streitereien, die in der
Nachbetrachtung oft eher zum Schmunzeln anregen. Ulrike Neradt und Hildegard Bachmann haben am Sonntag von
"Weihnachten hibbe un dribbe vom Rhei" erzählt und den Bogen zwischen besinnlichen und lustigen Geschichten gespannt.
Neradt stellte gleich klar, dass es "Weihnachten" und nicht "Woinachten" heißt. "Obwohl das passen würde, da wird so viel Glühwein getrunken",
sagte sie. Im Nauheimer "Saalbau" standen aber nur Kaffee und Kuchen und Wasserflaschen auf den Tischen, die Zuhörer konnten
sich ganz aufs Programm konzentrieren.
Den Gesichtern einiger Gäste war deutlich anzusehen, dass mit dem Weihnachtsfest keine Scherze getrieben werden sollten.
Doch selbst dort huschte manchmal ein Lächeln über die verhärteten Züge. Andere hatten wohl Ähnliches selbst erlebt
und konnte herzlich darüber lachen. Etwa über den Familienvater, der jedes Jahr den Adventskranz zum Schrecken der
Familie selbst bindet, "groß wie ein Wagenrad". Oder den Weihnachtskarpfen in der Badewanne, der gehegt wird
und den schließlich kein Familienmitglied mehr essen möchte.
Es waren alte und neue Geschichten, die Kabarettistin und Chansonette Ulrike Neradt mit ihrer aus der Mainzer Fernsehfastnacht
bekannten Kollegin Hildegard Bachmann vortrug. Dabei wurde es nie kitschig oder albern, sondern es waren Geschichten
aus dem Leben - etwa von früher, als die GIs noch in bundesdeutsche Haushalte zum Weihnachtsfest eingeladen wurden.
Oder Geschichten, die sich auch heute noch so abspielen - etwa wenn der bestellte Nikolaus ins Haus kommt und der Bub keine Angst
hat, mit dem Zweifel am Nikolaus aber spätestens dann in Gewissensnöte kommt, wenn Onkel Heinz
die Geschenke einfach wieder mitnehmen will. Spannend auch der philosophische Exkurs "Was wäre
anders geworden, wenn die Drei Heiligen Könige Frauen gewesen wären?" Der Stall wäre geputzt
worden, es wären nützliche Geschenke mitgebracht und später über den arbeitslosen Vater gelästert worden.
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